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»Sehr positives Feedback« zum neuen Pflegestützpunkt im Landkreis

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Traunstein: »Sehr positives Feedback« zum neuen Pflegestützpunkt im Landkreis | Trostberg
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Foto: Symbolbild/Alexander Heinl/dpa

Traunstein – Der vom Landkreis Traunstein letztes Jahr freiwillig gegründete »Pflegestützpunkt« als Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema »Pflege« kann in absehbarer Zeit mit erheblicher finanzieller Beteiligung der Kranken- und Pflegekassen rechnen. Den Weg dorthin ebnete – nach endlich vorliegenden gesetzlichen Regelungen samt Rahmenvertrag – die einhellige Entscheidung des Kreisausschusses für ein »Angestelltenmodell«. Damit bekommt der Landkreis einen »richtigen« Pflegestützpunkt, der den Vorgaben des Bezirks Oberbayern entspricht.


Ein interdisziplinäres Team aus Betreuungsstelle, Amt für Soziales und Senioren, aus Behinderten- und Seniorenbeauftragten sowie im Bedarfsfall das Gesundheitsamt steht seit Jahresbeginn hinter Pflegestützpunktleiter Frank Wegfahrt als »maßgebliche Säule«, wie es Landrat Siegfried Walch formulierte. Nach Abschluss aller Formalitäten zwischen Kommunalen Spitzenverbänden, Regierung von Oberbayern und den Kassen könne der Pflegestützpunkt Traunstein den Bürgern noch umfassendere Hilfestellung bieten, Betroffene und deren Angehörige beim Thema Pflege »enger und länger begleiten«.

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Alexandra Wolf, Leiterin der Abteilung Regionalentwicklung, informierte über die bisherige Praxis. Frank Wegfahrt erledige vom Büro des Stützpunkts im Landratsamt vieles. Er halte Vorträge, berate bei telefonischen Anfragen, mache Hausbesuche und kümmere sich um die Netzwerkarbeit.

Bisher müsse jeder Versicherte nach der Beratung selbst Kontakt mit seiner Kasse suchen. Künftig könne man dies übernehmen und den Fall von Anfang an mit einem »Care-Management« begleiten, betonte Alexandra Wolf. Der neue Pflegestützpunkt könne als »Kooperationsmodell« mit paritätischer personeller Besetzung durch Landkreis/Bezirk, Ersatzkassen sowie Kranken- und Pflegekassen organisiert werden.

Bei einem »Angestelltenmodell« stelle der Landkreis das Personal aus drei Vollzeitkräften. Die Kosten würden zu zwei Dritteln von den Kassen erstattet. Das restliche Drittel werde zwischen Landkreis und Bezirk je zur Hälfte aufgeteilt. Der Freistaat schieße eine einmalige Anschubfinanzierung von bis zu 20.000 Euro zu. Außerdem gebe es eine Förderung des Freistaats für Maßnahmen der Vernetzung und des Wissenstransfers von bis zu 15.000 Euro.

Ob formal schon richtiger Pflegestützpunkt oder nicht – die ersten Erfahrungen von Frank Wegfahrt waren durchwegs »sehr positiv«. Er war vorher Jahrzehnte in einem Sozialamt tätig, bringt acht Jahre Erfahrung in der Betreuungsstelle am Landratsamt Traunstein mit und ist jetzt seit gut zweieinhalb Monaten in Vollzeit für den Pflegestützpunkt im Einsatz.

Wegfahrt verzeichnete seither 138 Beratungen, 97 via Telefon, 27 in seinem Büro und 14 im Außendienst. Einmal pro Woche ungefähr ist der »Einzelkämpfer«, wie er sich selbst sieht, draußen unterwegs. Im Kreisausschuss erläuterte er seine Arbeit mit einem Beispiel, bei dem ein Betroffener »aus der Kurzzeitpflege geworfen wurde«. Der Fall sei von großer Komplexität gewesen. Aber, so Wegfahrt: »Man kann viel bewegen.«

Auch er habe schon viel Feedback bekommen, betonte der Landrat. Das neue Angebot komme gut an. Er sei froh, dass die Intensität der Beratung gewährleistet sei. Dankesworte kamen in der Aussprache von vielen Seiten. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, SPD, bevorzugte – wie Frank Wegfahrt, der Landrat und andere Kreisräte – das »Angestelltenmodell«: »Wir haben viel eigene Kompetenz im Haus.«

Der Landkreis müsse etwa 50.000 Euro pro Jahr aufbringen, erwiderte Walch auf Frage von Willi Geistanger, Grüne. Die »Schnittstellenproblematik« sprach Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, an. Dazu Wegfahrt: »Angehörige kümmern sich selbst um vieles. Ich kann zum Beispiel vor einer Entlassung aus der Reha prüfen, was man danach anbieten kann.« Oft müsse man kurzfristig reagieren, stellte Wegfahrt fest. Problematisch sei die Suche nach Pflegeplätzen, besonders wegen der langen Wartelisten vieler Einrichtungen. kd