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Rinderzuchtverband will Vermarktung verbessern

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Rede und Antwort standen (von rechts) Oberbürgermeister Christian Kegel, Hubert Hartl und Bernhard Reiter, der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Rinderzuchtverbands (RZV), sowie Peter Hierstetter von der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf. (Foto: Pültz)

Traunstein – Trotz der Kritik aus den Reihen der Anlieger in Wolkersdorf hält der Rinderzuchtverband (RZV) an seinen Plänen fest, den Standort in der Stadt aufzugeben und in die Umgebung abzusiedeln. An einem Informationsabend des RZV Traunstein in der Chiemgaustube sagte Geschäftsführer Bernhard Reiter, dass die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung die Vermarktung verbessern wolle. Und zu diesem Zweck sei der Neubau einer Halle unerlässlich.


Nach wie vor erregt das umstrittene Projekt die Gemüter. Und so war dann auch das Interesse der Bürger groß, als der Rinderzuchtverband über sein Vorhaben informierte. Alle Plätze in der Chiemgaustube waren belegt – vielfach auch von Bürgern, die das Projekt ablehnen. Rede und Antwort standen vom Rinderzuchtverband Vorsitzender Hubert Hartl und Geschäftsführer Reiter sowie Oberbürgermeister Christian Kegel und Peter Hierstetter als Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf. Die Moderation übernahm Alfons Leitenbacher, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein.

RZV-Geschäftsführer Reiter sagte, dass der Rinderzuchtverband nicht mehr auf einem Grund bleiben wolle, den er auf Erbpacht zur Verfügung gestellt bekomme. Diese Regelung bringe Unsicherheit. Der RZV wolle ein Grundstück kaufen – und damit Planungssicherheit für die nächsten Generationen bekommen. Das Grundstück, das die Stadt dem RZV angeboten habe, sei »ideal« – auch weil sich ein Abstand von 200 Metern zur Wohnbebauung ergebe.

Kegel brach eine Lanze dafür, den Rinderzuchtverband zu unterstützen. Er sei in einer »absoluten Notlage«. Der Oberbürgermeister betonte, dass die Lebensqualität in Wolkersdorf durch die Ansiedlung des RZV keineswegs »exorbitant« abnehmen werde. Und er sprach unter anderem auch über die zu erwartende Verkehrsbelastung. Durch den Ort fahren laut Kegel täglich 5000 Fahrzeuge. Wenn der RZV dreimal im Monate Märkte veranstaltet, dann kämen lediglich jeweils 100 oder 150 hinzu.

Widerstand richtet sich gegen Standort

Der Widerstand der BI richte sich nicht gegen den Rinderzuchtverband, betonte Hierstetter. Die Bürgerinitiative wehre sich vielmehr gegen ein drohendes, zweites Gewerbegebiet in Wolkersdorf. Hierstetter legte dem RZV nahe, an seinem bisherigen Standort zu bleiben. Schließlich war der RZV seinen Angaben zufolge bis zum Einsturz des Stalldaches im Februar auch bereit gewesen, 1,2 Millionen Euro in den Standort an der Siegsdorfer Straße zu investieren.

In der Diskussion meldeten sich viele Bürger zu Wort. Unter anderem forderte Uwe Scherner dazu auf, »zubetonierte Flächen zu sanieren« und nicht freie neu zu verbauen. RZV-Vorsitzender Hartl erläuterte, dass die Flächenversiegelung am neuen Standort im Vergleich zu der am alten »ziemlich gleich bleiben wird«. Der Stall werde etwas größer, weil die Tiere mehr Platz brauchen. Die Vermarktungshalle sei hingegen kleiner. »Wir brauchen keine Arena mehr, die 1200 Leute, sondern nur noch maximal 200 Platz bietet.« Hinzu kommen laut Hartl eine Halle für die Lagerung von Stroh und Geräten sowie ein Bürogebäude. Der Vorsitzende schätzte, dass »circa 6000 bis 7000 Quadratmeter verbaut werden«.

Von Lärm- und Geruchsbelästigungen berichteten Regina Auer und Sabine Amann, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Standort des RZV an der Siegsdorfer Straße wohnen. »Wir sind absolut die Leidtragenden«, so Auer. Sie erzählte, dass sich vor kurzem mitten in der Nacht ein Viehtransport auf die Reise begeben habe – und für Lärm von drei bis fünf Uhr morgens gesorgt habe. Amann führte aus, dass in der Nacht immer wieder Kälber, die eingesperrt werden, zu hören seien. Und auch eine Geruchsbelästigung sei gegeben. So habe der RZV zum Beispiel zwei Wochen lang einen Misthaufen nicht weggeräumt.

Reiter räumte ein, dass der Transport in der Nacht »sehr ärgerlich« gewesen sei. Und er entschuldigte sich auch für die Belästigung. Der Lastwagen habe schon in der Nacht die Fahrt aufgenommen, weil er zeitig an der deutsch-österreichischen Grenze habe ankommen wollen, um dann einem Fahrverbot in Österreich zu entgehen und schnell nach Südtirol zu gelangen.

Immer wieder Kälber über Nacht in Traunstein

Der RZV-Geschäftsführer räumte weiter ein, dass immer wieder einmal auch Kälber über Nacht in Traunstein bleiben – und dass man dann auch die Fenster öffnen müsse, wenn's draußen sehr heiß ist. Die Landwirte seien aber aufgefordert, die Tiere am Markttag zu bringen und sie dann auch gleich wieder mitzunehmen.

Franz Gruber sagte, dass der Rinderzuchtverband »seine Sache sehr gut macht«. Er zeigte Verständnis, dass der RZV neu bauen will. Schließlich würde »kein vernünftig denkender Mensch« so viel Geld in die Hand nehmen, wie für die Sanierung und Modernisierung der Chiemgauhalle samt Stall notwendig wäre. »Sehr unglücklich« sei jedoch, dass jetzt in der Planung des Projekts in Wolkersdorf Fläche verloren gehe, die ursprünglich für eine Wohnbebauung vorgesehen war – und dass Bauern gegen Bauwillige gegeneinander ausgespielt werden. Gruber regte an, noch einmal über andere Grundstücke nachzudenken.

Kegel erläuterte, dass die Stadt und der RZV über ein halbes Jahr nach einem geeigneten Grundstück gesucht hätten, aber nicht fündig geworden seien. Und Hartl ergänzte, dass die Grundstücke, die der RZV ins Visier genommen habe, zum Teil »unbezahlbar« gewesen seien, zum Teil habe aber auch der eine oder andere Landwirt zu verstehen gegeben, dass er keinen Grund und Boden abgeben, sondern vielmehr mit ihm spekulieren wolle. pü