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Rinderzuchtverband prüft alternative Standorte – Abstimmungen im Stadtrat

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Traunstein: Rinderzuchtverband prüft alternative Standorte – Abstimmungen im Stadtrat
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Der Rinderzuchtverband Traunstein hat jetzt das Zelt, das schon seit einiger Zeit an Markttagen als Behelfsunterkunft für die Tiere dient, auf seinem Gelände am Festplatz in der Stadt versetzt. Kurz ist jetzt der Weg vom Zelt zur Chiemgauhalle (im Hintergrund), wo die Märkte stattfinden. (Foto: Pültz)

Traunstein – Eine Ansiedlung in Wolkersdorf samt Neubau einer Vermarktungshalle steht beim Rinderzuchtverband (RZV) Traunstein nicht mehr im Fokus. Der RZV habe seinen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans, wie Geschäftsführer Bernhard Reiter dem Traunsteiner Tagblatt am Donnerstag mitteilte, »vorerst zurückgezogen«.


Und der Geschäftsführer weiter: »Der Rinderzuchtverband Traunstein wird seine Pläne für die Ansiedlung in Wolkersdorf ruhen lassen und weitere neu angebotene Alternativstandorte prüfen.« Erst Anfang der Woche hatte der Rinderzuchtverband über sein Projekt in dem Stadtteil informiert. In der Diskussion kamen auch die Gegner des Vorhabens aus den Reihen der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf zu Wort (zum Bericht).

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Der Rinderzuchtverband und die heimische Landwirtschaft bräuchten – wie Reiter jetzt ausführte – eine Lösung, die Planungssicherheit für kommende Generationen schafft. »Wir suchen einen Standort, der genehmigungstechnisch funktioniert, gut an den Verkehr angebunden ist und gleichzeitig für uns im Betriebsablauf praktikabel ist. Dieses Ziel wollen wir im Geist des Miteinanders erreichen – nicht im Gegeneinander.«

Der Verbandsverwalter führte weiter aus, dass eine Fortführung der Planungen in Wolkersdorf »nicht notwendig« sei, da der RZV »neue Grundstücke« angeboten bekommen habe. Die Flächen, die nun in Betracht kommen, liegen nach Angaben des Geschäftsführers in Traunstein wie auch – in einem Fall – jenseits der Stadtgrenze. Der RZV prüfe nun, ob diese Grundstücke »noch geeigneter« sind als jenes, das die Stadt südlich von Wolkersdorf angeboten hat.

Dass der Rinderzuchtverband seinen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans vorerst zurückgezogen hat, »freut uns natürlich grundsätzlich«, sagte Peter Hierstetter von der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf. »Ich glaube jetzt aber nicht, dass es eine Niederlage des Rinderzuchtverbands oder ein Sieg der Bürgerinitiative war.« Als Verlierer müssten sich vielmehr all jene fühlen, »die mit Informationen gegeizt und uns in Misskredit gebracht haben«. Die Bürgerinitiative wolle sich auf den Fall vorbereiten, »dass uns das Thema wieder auf die Füße fällt«. So werde die BI nach wie vor über das Vorhaben berichten, so Hierstetter, »schließlich ruhen die Pläne ja nur«.

Die Verantwortlichen des RZV besuchten dieser Tage Landrat Siegfried Walch. Wie Michael Reithmeier, der Pressesprecher im Landratsamt, bestätigte, sprachen Hubert Hartl und Bernhard Reiter, der Vorsitzende und der Geschäftsführer des RZV, mit dem Landrat. Reithmeier sagte, dass Walch dem Rinderzuchtverband seine volle Unterstützung zugesagt habe.

Der RZV und seine neuen Pläne waren auch Gegenstand der Beratungen des Stadtrats am Donnerstag. Oberbürgermeister Christian Kegel sprach von einer »honorigen Lösung«, dass der RZV von einer Ansiedlung in Wolkersdorf abgerückt sei. Und er gab zu verstehen, dass der RZV auf die öffentlichen Diskussionen über das umstrittene Projekt reagiert habe. Der Rinderzuchtverband habe, so Kegel, »Druck aus dem Kessel genommen«.

Stadt unterstützt RZV »bestmöglich«

Kritik richtete der Oberbürgermeister an die Adresse der Bürgerinitiative. Ganz und gar nicht einverstanden zeigte er sich insbesondere mit den Ankündigungen einer Informationsveranstaltung der BI. Die Plakate, die die Bürgerinitiative in der Stadt aufgehängt hatte, waren mit dem Foto eines Rinds ausgestattet, das den Eindruck erweckte, dem Wahnsinn verfallen zu sein. Diese Ausdrucksweise sei, so Kegel, »nicht der geeignete Stil«, Interessen zu vertreten. Auf diese Weise werde nicht nur das Tier diskreditiert, sondern die gesamte Bauernschaft, die Rinder hält.

Ursprünglich hatte der Oberbürgermeister geplant, den Stadtrat über die Änderung des Flächennutzungsplans abstimmen zu lassen, um dem RZV eine Verwirklichung des bislang in Wolkersdorf geplanten Projekts zu ermöglichen. Nach der Rücknahme des Antrags des RZV stellte der OB am Donnerstag einen neuen Beschlussvorschlag zur Debatte, den das Gremium dann mit 19:2 Stimmen annahm. So beauftragte der Stadtrat die Verwaltung im Rathaus, dem Rinderzuchtverband auf der Suche nach einem für seine Zwecke geeigneten Grundstück »bestmöglich zu unterstützen«. Weiter beschloss er, die Änderung des Flächennutzungsplans nicht weiter zu verfolgen.

Dagegen stimmten Wilfried Schott und Wolfgang Wörner (beide Bündnis 90/Die Grünen). In der Diskussion im Stadtrat äußerten sie sich nicht. Auf Nachfrage teilten sie mit, dass sie der Meinung seien, der Rinderzuchtverband Traunstein sollte an seinem Standort an der Siegsdorfer Straße bleiben – und sich nicht anderenorts neu niederlassen.

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