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Projekt von Rinderzuchtverband in Wolkersdorf steht auf der Kippe

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Traunstein: Rinderzuchtverband stoppt Pläne für Neubau in Wolkersdorf
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Auf diesem Grundstück südlich von Wolkersdorf wollte der Rinderzuchtverband Traunstein neu bauen. Jetzt zieht der RZV auch andere Standorte in Betracht. (Foto: Reiter)

Traunstein – Auf der Kippe steht die umstrittene, vom Rinderzuchtverband (RZV) Traunstein geplante Ansiedlung auf einem Grundstück südlich von Wolkersdorf. Für eine Änderung des Flächennutzungsplans durch die Stadt, die nötig ist, um Baurecht für den RZV zu schaffen, ergab sich im Planungsausschuss des Stadtrats am Dienstag keine Mehrheit.


Für die Einleitung des Bauleitverfahrens stimmten Oberbürgermeister Christian Kegel, dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner und Robert Sattler (alle SPD) sowie zweiter Bürgermeister Hans Zillner (CSU), dagegen Ernst Haider und Josef Kaiser (beide UW) sowie Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Christian Hümmer und Klaus Schneider (beide CSU). Die Entscheidung trifft nun der Stadtrat.

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Der Rinderzuchtverband, so eine Änderung der Planung, will seine Vermarktungshalle nicht mehr in Nord-Süd-, sondern in Ost-West-Richtung anlegen – mit der Folge, dass sie dann weiter weg ist von den Häusern in Wolkersdorf. Bernhard Glaßl von der Stadtverwaltung sprach von dann 250 Metern Abstand. Eine Geruchsoder auch eine Lärmbelästigung der Bürger in Wolkersdorf hält er für ausgeschlossen.

Wie schon in der vergangenen Sitzung des Ausschusses sprach Hümmer erneut davon, dass die Vermarktungshalle, auch wenn der RZV sie in der Planung nun gedreht habe, nach wie vor in einer »äußerst schwierigen Lage« nahe der Wohnbebauung vorgesehen sei. Auch führte er gegen das Projekt ins Feld, dass eine Fläche verloren gehe, die bisher für die Wohnbebauung reserviert gewesen sei.

Wiesholler-Niederlöhner plädierte hingegen für die Änderung des Flächennutzungsplans. Wenn die Stadt das Verfahren einleitet und einen Plan auslegt, dann erhalte jeder die Möglichkeit, sich zu äußern. Von konkreten Planungen im Sinne einer Wohnbebauung sei noch nie die Rede gewesen, vielmehr sei einmal die Überlegung angestellt worden, in diesem Bereich eine Umgehungsstraße zu errichten.

Nicht nur die Flächenversiegelung spricht laut MörtlKörner gegen das Projekt in Wolkersdorf. So müsse die Stadt den Rinderzuchtverband auch entschädigen, wenn er seinen bisherigen Standort an der Siegsdorfer Straße in Traunstein aufgibt – und wenn dann die Erbpacht abgebrochen wird. Sollte der Vertrag aufgelöst werden, dann falle der Grund und Boden wieder an die Stadt. Doch einen Plan für eine Nutzung dieses Grundstücks habe die Stadt, wie Mörtl-Körner betonte, nicht. Sie plädierte auch in dieser Diskussion wieder dafür, das der RZV an seinem bisherigen Standort bleiben solle. Am Festplatz seien »ideale Strukturen« für den RZV gegeben.

Kegel erläuterte die Folgen, die eintreten könnten, wenn die Ansiedlung in Wolkersdorf nicht zustande kommt. Wenn der Rinderzuchtverband in Traunstein aufhört, so der Oberbürgermeister, dann müssten die Bauern möglicherweise nach Miesbach, Mühldorf oder woanders hinfahren. In diesem Falle würde dann weder der Grundsatz der Regionalität in der Vermarktung weiter beachtet werden noch würde das Tierwohl dann noch im Vordergrund stehen. Der Oberbürgermeister brach eine Lanze dafür, dem Rinderzuchtverband eine Zukunft in Traunstein zu geben – auch deshalb, weil er der Stadt in der Vergangenheit mehrfach geholfen habe. So erinnerte Kegel daran, dass der RZV nicht nur die Errichtung des Feuerwehrhauses an der Scheibenstraße, sondern auch das Baugebiet Axdorfer Feld ermöglicht habe. Er meinte, dass die Stadt dem RZV in seiner Notlage helfen solle.

Auch Sattler sah die Stadt dem Rinderzuchtverband gegenüber in der Verantwortung. Die Fläche an der Siegsdorfer Straße, die nach einer Absiedlung des RZV frei werden würde, könnte sie sehr sinnvoll nutzen. Und weiter: An seinem bisherigen Standort sei der Rinderzuchtverband lediglich 25 Meter von einer Wohnbebauung entfernt, doch die Anlieger hätten in der Vergangenheit nicht geklagt.

Hümmer sagte, dass stadtplanerische Entscheidungen nicht danach getroffen werden sollten, wer einmal wem etwas gegeben oder geholfen habe. Allein ausschlaggebend sein müssten objektive Kriterien. Frühere Entscheidungen dürften für die nun anstehende keine Bedeutung besitzen.

Kegel meinte, dass der Blick zurück nur ein zusätzliches Argument liefere. Letztlich laufe das Projekt auf nichts anderes hinaus, als die bäuerliche Landwirtschaft zu stärken.

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Der Rinderzuchtverband (RZV) will auf einem Grundstück im Süden von Wolkersdorf einen Neubau errichten. Wo der Grund und Boden genau liegt und wie weit das Vorhaben von der Bebauung entfernt ist, erläutert die Bürgerinitiative (BI), die sich gegen das Projekt wehrt, auf einem Luftbild. Repro: BI gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf
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