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Ohne Fleisch »esse ich Vegetarier«

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Michael Altinger (von links), Chin Meyer, Frank Sauer und Philip Simonboten im Traunsteiner NUTS – Kabarett vom Feinsten. (Foto: Heel)

Wieder einmal haben der Kabarettist Michael Altinger und seine drei Gäste beim Kabarett-Brettl in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS für beste Unterhaltung gesorgt. Passend zur Starkbierzeit kam Altinger dabei eingangs auf ein Schulexperiment zu sprechen, das seit einigen Jahren in der Uckermark im Gange ist. Unter dem Motto »Lieber schlau als blau« können dort nämlich Schulkinder die Wirkung von alkoholischen Getränken testen. Unter pädagogischer Anleitung und Aufsicht, versteht sich. Betreutes Saufen sozusagen!


Ebenfalls aufs Korn nahm Altinger die um sich greifende Empörung gegen bestimmte Faschingsverkleidungen, sei es als Indianer, Chinese oder mit Afrolook. Da frage er sich schon, warum sich niemand gegen den Watzmann empört, der vergangenes Jahr immerhin zwölf Tote gefordert habe.

Erster Gast war der Kabarettist und Moderator Frank Sauer aus Saarbrücken, der Auszüge aus seinem neuen Programm »Scharf angemacht – Die besten Rezepte für Beziehungssalat« präsentierte. Eine etwas verquere Mischung aus launigen Betrachtungen zum Schwäbischen, wo er lange Zeit gewohnt hat, und Anmerkungen zum Thema Mann/Frau, die in der Feststellung gipfelten, dass der Mann von heute seine Erfüllung am Grill finde, getreu der Devise: »Wenn es kein Fleisch mehr gibt, esse ich Vegetarier.«

Auf Frank Sauer folgte der aus Berlin kommende Kabarettist, Autor und Sänger Chin Meyer, der unter anderem fragte, was das mit der künstlichen Intelligenz soll, nachdem die natürliche Intelligenz noch in den Kinderschuhen stecken würde. Von da war es kein weiter Weg zu Donald Trump und der Überlegung, ob nicht alle Staaten, denen die USA bislang »die Demokratie gebracht hätten«, sich jetzt zusammenschließen sollten, um den Gefallen zu erwidern.

Was allerdings kein leichtes Unterfangen wäre, denn, so der Kabarettist: »Wussten Sie eigentlich, dass in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 50 Jahren mehr Menschen durch Schusswaffen ums Leben gekommen sind als in allen Kriegen der Amerikaner seit ihrem Unabhängigkeitskrieg 1776? Kein Wunder, dass die Amis in jede Schlacht ziehen, die sie finden können. Da sind die Überlebenschancen einfach höher.«

So vergnüglich wie informativ gerieten auch Chin Meyers Ausführungen zum Thema Leerverkäufe, die er anhand einer verkauften Bohrmaschine erklärte, oder zur Frage, wie Geld »arbeitet«. Und wer Angst vor der Vernetzung smarter Haushaltsgeräte habe, für den hatte er auch einen guten Rat parat: Ein »Smart-Husband« tue es auch und sei zudem 100 Prozent biologisch abbaubar.

Altingers letzter Gast war der gebürtige Niederländer Philip Simon, der inzwischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und sich in seinem aktuellen Programm »Meisenhorst« vorwiegend mit der Frage beschäftigt: »Warum kennen wir die 10 Gebote so genau, die Grundgesetz-Artikel aber nicht?«

Eine spannende Sache, vor allem dann, so der Kabarettist, »wenn wir den Muslimen vorwerfen, dass sie sich hier auf den Koran berufen und nicht auf das Grundgesetz. Genau das Grundgesetz, was wir auch nicht wirklich kennen.« Etwa den Artikel 10, der das Brief-, das Post- sowie das Fernmeldegeheimnis verbürgt, in Zeiten von Vorratsdatenspeicherung und »Bundestrojaner« aber systematisch ausgehebelt werde.

Dabei spannte er den Bogen von den Lottozahlen über Stuttgart 21 bis hin zu Moses, der heute wohl als krimineller Schlepper angesehen würde. Kurzum: Kabarett vom Feinsten, bissig, satirisch und philosophisch. Wolfgang Schweiger