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Ob »Derbleckte« aus dem »Derblecken« etwas lernen?

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Traunstein: Starkbierfest im Hofbräuhaus – Ob »Derbleckte« aus dem »Derblecken« etwas lernen?
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Für Stimmung und Humor sorgten Fastenredner Albert Rosenegger (links) und »Petrus« Willi Schwenkmeier beim Traunsteiner Starkbierfest. (Foto: Buthke)

Traunstein – »Wer gerne austeilt, der muss auch einstecken können.« Diesen gut gemeinten Ratschlag gab der »Petrus« (Willi Schwenkmeier) den »Derbleckten« beim Traunsteiner Starkbierfest im historischen Saal des Traunsteiner Hofbräuhauses mit auf den Weg. Und Fastenredner Albert Rosenegger gab pointierte Spitzen in Richtung Politprominenz.


Weil Landrat Siegfried Walch vor der vergangenen Kommunalwahl den Orden »Für nix und wieder nix« erhalten und man der Familie Sailer Wahlbeeinflussung unterstellt hatte, übergab »Petrus« diesen Orden heuer an die Landratskandidatin der Grünen, Gisela Sengl, wodurch zugleich die Frauenquote erhöht wurde.

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Nachdem Bräu Maximilian Sailer zunächst auf die Schreckensnachrichten von Corvid 19 bis zum Auto als Werk des Teufels hingewiesen hatte, dass er sich nicht einmal mehr mit seiner Diesel-Jeans in die Stadt traut, empfahl er eine Halbe Hofbräu als »Schluckimpfung« und verfiel in Bierseligkeit mit dem Spruch »Was schert mich, was schert mich Kind, Hauptsache, der Bierfahrer kimmt«. Oberbürgermeister Christian Kegel erwies sich dann als Mann der Tat und zapfte schlagkräftig offiziell das erste Fass Starkbier an.

In seiner Ansage meinte »Petrus«, »derbleckt« sei man schnell, hegte aber seine Zweifel, ob die so »Derbleckten« daraus lernen wollen. Viele glaubten nämlich, die Weisheit mit der Muttermilch genuckelt zu haben.

Fastenredner Rosenegger machte gleich Werbung für den Fastenbock, weil der die Eigenschaft habe, politischen Verdruss leichter zu ertragen. Bier und Politik ließen sich besonders in Traunstein gut miteinander verbinden, denn der Traunsteiner sei ein sorgloses Wesen, das dreimal im Jahr aus seiner Lethargie erwache: beim Georgiritt, beim Faschingszug und beim Starkbierfest des Hofbräuhauses. Deshalb sei auch die Kommunalwahl schwer kalkulierbar.

Als »ganz signifikant und abstrus« bezeichnete Rosenegger das Wahlverhalten der Traunsteiner. Sie wählten meist den Außenseiter, der es ohnehin nicht werde. Bei den OB-Kandidaten wolle es Kegel wieder werden und Dr. Christian Hümmer glaube, dass er gewinnt. Burgi Mörtl-Körner müsse noch etliche Körner beigeben und Simon Steiner sei als Alternative 20 Jahre zu bald dran.

Das Wort »Kandidat« interpretierte Rosenegger mit »Kannt i, dat i« oder frei übersetzt »Würde man mich hinlassen, würde ich es können«. Kandidaten hätten Visionen, die ausgeträumt seien, sobald sie gewählt würden. Zumal der Traunsteiner meine, Visionen brauche man nicht, weil sie Geld kosten, wie zum Beispiel Parkhäuser, Jugendzentren oder autofreie Stadtplätze. Auch die Körpergröße der Kandidaten spiele eine Rolle, weil sie sonst im Rathausstuhl nicht auszumachen seien.

Der Traunsteiner Stadtrat habe es sich zur Aufgabe gemacht, das globale Klima zu verbessern und die Greta nicht im sauren Regen stehen zu lassen. Beschlossen worden sei daher, künftig bei Debatten möglichst wenig heiße Luft in die Welt zu setzen, um die Erderwärmung nicht weiter anzuheizen. Als kostengünstige Lösung für die Fußgängerbrücke in Heiliggeist empfahl er zwei starke Männer der Ringerabteilung des TVT, die die Stücke gegeneinanderdrücken.

Beim Salinenjubiläum habe man Zweifel gehabt, ob die Bevölkerung dies auch annehme, denn merke: So viel Geschichte verträgt der Traunsteiner nicht. Angesichts der »Miesen« im Stadthaushalt hatte der Fastenredner kein Verständnis dafür, dass der Stadtrat eine Großspende statt mit Großherzigkeit mit Misstrauen quittiert, und dass Einzelheiten darüber aus der nichtöffentlichen Sitzung publik wurden. Die Verursacher bezeichnete er als »Waschweiber, die früher beim Bachbräu im Mühlbach ihre Wäsche gewaschen haben«.

Landrat Siegfried Walch habe sich mit dem Bildungscampus und auch sonst guten Ergebnissen für den Wahlkampf in eine gute Position gebracht. Seine Konkurrenten hofften derweil, dass das »Sternenkind« abstürzen und sie durch die Implosion nach oben geschleudert werden. Gisela Sengl lege eine biodynamische Verbissenheit an den Tag. Außerdem sei da noch der »Traum-Danzer« aus Grabenstätt.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner sei nun Aufsichtsratsvorsitzender der bayrischen Justizvollzugsanstalten und damit »Pate der Paten« geworden. Auch das Traunsteiner Gefängnis, vulgo »Samets-Alm«, sei an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit gestoßen. Er sei deshalb gefordert, dass der Staat Mittel zur Verfügung stellt, damit das schmucke Gebäude erhalten bleibe. Landtagspräsident a. D. Alois Glück nannte Rosenegger einen »Landtagspräsident auf Politdrogenentzug«. Er sei ein Mann des Ausgleichs, bis sich alle auf ihn eingefädelt hätten.

Die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber aus dem etwas flacheren Norden, wo einst die Druiden daheim waren, verkörpere das »Mütterchen Fürsorge«, wogegen in der Abgeschiedenheit der Täler im Süden in den Reservaten politische Feuerstellen entstünden.

Den offiziellen Teil des Starkbierfests bestritt der Münchner Liedermacher und Musikkabarettist Roland Hefter mit humorvollen Zwischentexten und Liedern mit Themen »wia im richtigen Leb'n«.

Dass einige »Hinterbänkler« bei seinem Vortrag ihr »Maul« nicht halten konnten und munter weiter ratschten – diese grobe Missachtung des ausgezeichneten Künstlers war der einzige Wermutstropfen in einer sonst gelungenen Veranstaltung. Bjr