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»Licht und Dunkel« – »licht und dunkel«

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Die Schwarz-Weiß-Fotografie »Zwergnase« von Jürgen von Kruedener ist in der Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Traunstein zu sehen. (Foto: Giesen)

Der Kunstverein Traunstein hat sich für seine traditionelle Frühjahrsausstellung in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus wieder ein ansprechendes Motto ausgesucht, zu dem insgesamt 72 Künstler größtenteils neue Arbeiten, sogar von 2019, schufen: »Licht und Dunkel« – »licht und dunkel« – ein Thema, mit dem sich nahezu alle Werke in der bildenden Kunst auseinandersetzen, aber auch in Literatur und Musik.


Die Vorgaben waren klar, um in dieser unjurierten Ausstellung Platz für alle der eingereichten Arbeiten zu haben: 30 mal 30 Zentimeter für Bilder und für Skulpturen maximal die gleiche Größe als Grundfläche und die Höhe höchstens 2,50 Meter. Die Werke reichen von der klassischen Zeichnung über Malerei, Collage, Öl, Fotografie und Druck bis zu dreidimensionalen Arbeiten. Breit gefächert sind auch die Inhalte von narrativ über realistisch bis hin zur völligen Abstraktion. Humorvolle, witzige hängen neben kritischen oder Fragen stellenden Arbeiten.

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Weltpolitisch und zeitaktuell präsentiert sich zum Beispiel die Arbeit von Cosima Strähhuber »Gerät für öffentlichen Durchblick«, eine übergroße Brille aus Eschenholz, die nicht nur ohne Öffnungen für die Augen ist, sondern das Brett vor dem Hirn gleich mitliefert. Ebenfalls mit gesellschaftskritischem Ansatz sind die gleichsam zufällig aufeinander gestellten Pappkartons von Willee T. Regensburger mit dem Titel »Licht an, Licht aus«, einer Montage aus Karton, Papier und Platine. Uli Reiter liefert mit seinem Objekt »Licht im Dunkel« – einem Mülleimer, der 40 »giveaways 2019« enthält – einen Anstoß, grundsätzlich über die eigene Art zu leben nachzudenken.

Bei den Fotografien fällt Jürgen von Kruedeners wunderbare Schwarz-Weiß-Fotografie »Zwergnase« ins Auge, bei der die Struktur verwitterten Steins eingefangen wird oder Hildegard Manzkes Fotografie »Denn die Einen sind im Dunkel und die Anderen sind im Licht«. Herbert Stahl hat mit seinem digitalen Fotodruck auf Karton »crucified Venedig 11 2017« ebenfalls ein Beispiel für die Tiefschichtigkeit der Fotografie ausgestellt.

Robert Dufter geht in seiner interessanten »Studie Lichtspalt« das Thema licht und dunkel sehr farbig mit Filzstiften auf Papier an. Helmut Falk zeigt »Lichtbrechung« in Pinselspritztechnik in Öl auf Karton und Maura Hagen zaubert ihren »Moonlightshadow« in Pastellfarben auf Cansonpapier.

Neben vielen bildlichen Arbeiten gibt es auch einige Skulpturen wie die aus Zirbelkiefer geschnitzte, elegante Holzfigur von Carsten Lewerentz »BALLETTO«, Moni Steins dramatisch suchende Gipsskulptur mit dem Titel »Wo ist das Licht im Tunnel« oder die glatte, weiße Skulptur aus Steinguss von Regina Victoria Schmidt mit dem Titel »morning has broken«.

Trotz der vielen völlig unterschiedlichen Techniken und Motiven ist es dem Hängeteam wieder gelungen, eine harmonische, einheitlich geordnete Präsentation zu schaffen, was natürlich auch dank der einheitlichen Größenvorgabe möglich war.

Bei der außerordentlich gut besuchten Vernissage gab nach den Grußworten der Kulturbeauftragten der Stadt, Ursula Lay, der Vorsitzende des Kunstvereins, Herbert Stahl, eine Einführung in die Ausstellung, bei der er den philosophisch religiösen Aspekt des gestellten Mottos »Licht – Dunkel« mit Zitaten aus der Bibel hervorhob: »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war…«

Die Frühjahrsausstellung des Kunstverein Traunstein läuft bis einschließlich Sonntag 10. März, und ist von Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Christiane Giesen

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