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Kalte Dusche nach warmen Worten – Warnstreik im Traunsteiner Stadtpark

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Insgesamt 140 Arbeitnehmer forderten bei einem Warnstreik der Gewerkschaft ver.di im Stadtpark mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal. (Foto: A. Hauser)

Traunstein – »Nach warmen Worten im Frühjahr folgt jetzt die kalte Dusche bei den Tarifverhandlungen.« Das sagte Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer bei Verdi Rosenheim, bei einem Warnstreik der Gewerkschaft am Montag im Stadtpark. Bayernweit fanden an diesem Tag viele kleinere Kundgebungen wie beispielsweise in Rosenheim, Bad Reichenhall, Altötting, Trostberg und auch in Traunstein statt, da Corona-bedingt kein Warnstreik zentral in München oder Nürnberg abgehalten werden konnte.


Zu der Kundgebung im Stadtpark waren insgesamt 140 Arbeitnehmer der Krankenhäuser Traunstein und Trostberg, der Stadtwerke Traunstein, der Chiemgau-Lebenshilfe und der Lebenshilfe Traunstein sowie vom Bauhof aus Burgkirchen gekommen. Die Forderungen der Teilnehmer waren deutlich: Mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.

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Die Angebote, die die Arbeitgeber am Freitag vorgestellt hatten, entsprachen nicht den Forderungen der Gewerkschaft Verdi. Metzger erklärte dazu: Die Lohnerhöhung sei zu niedrig und würde keine Verbesserung für die Arbeitnehmer bedeuten. Auch die Bedingungen, die mit Sonderzahlungen wie einer »Coronaprämie« für Pflegeberufe verknüpft sind, sind zu hoch und betreffen nur einen kleinen Teil der Beschäftigten.

So fordert nun die Gewerkschaft Verdi in der dritten Verhandlungsrunde unter anderem die Tabellenentgelte um mindestens 150 Euro und für Studierende sowie Auszubildende um 100 Euro pro Monat zu erhöhen. Außerdem sollen die Beschäftigten mit zusätzlichen freien Tagen entlastet und die Regelungen zur Altersteilzeitarbeit verbessert werden. Für Studierende und Auszubildende im öffentlichen Dienst sollen zudem die Fahrtkosten in der Höhe des monatlichen ÖPNV-Tickets übernommen werden, so Metzger.

Der Verdi-Ortsvorsitzende und Angestellte im Klinikum Traunstein, Thomas Nicolai, forderte vor allem bessere Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal. 2018 und 2019 sei die festgeschriebene Untergrenze für das Pflegepersonal zur Obergrenze geworden. Weniger Personal bedeute eine schlechtere Pflege und das auf Kosten der kranken Patienten, sagte er. Die Corona-Pandemie habe das Ganze noch verschärft. Die Schutzausrüstungen für das Pflegepersonal seien oft zu wenig und mangelhaft. Nicolai betonte, der Einsatz von Gesundheit müsse finanziell entschädigt werden und es solle endlich das eingehalten werden soll, was versprochen wurde.

Fehlendes Personal gebe es nicht nur im Bereich der Pflege, sagte er, alle Bereiche im Klinikum wie die Verwaltung und auch die IT seien betroffen. Nicolai forderte daher ein Gesetz, das die Situation der Pfleger verbessert und es wieder möglich macht, das tägliche Arbeitspensum zu stemmen. Die Warnstreiks seien nur der Anfang, so Robert Metzger, wenn die Angebote der Arbeitgeber nicht deutlich besser werden, müssen weitere Schritte eingeleitet werden. Auch am Trostberger Klinikum haben die Arbeitnehmer mit einem Warnstreik am Montag gezeigt, dass sie sich nicht mit den Ergebnissen der Tarifverhandlungen zufrieden geben.

»Das Angebot nach der zweiten Tarifrunde ist sehr ernüchternd – gerade für uns in der Pflege«, sagte Konrad Raspl. »Da fühlt man sich nicht wertgeschätzt.« Er erinnerte an den Einsatz der Mitarbeiter der Klinik während der Corona-Krise.

»Die Solidarität war riesig. Die Mitarbeiter waren jederzeit bereit, einzuspringen, sind dann doch wieder eher nach Hause gegangen, wenn der Arbeitsaufwand nicht so groß war, haben Dienste gewechselt und auf anderen Stationen mitgearbeitet.« aha/luh