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Italien von seiner schönsten Seite

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Ein vergnüglicher Abend war die 25-Jahr-Feier der Società Dante Alighieri im Studio 16 mit (von links) Robert Sattler, Ingrid Hempen und Giovanna Donnini (Foto: Heel)

Traunstein – 1889 auf Initiative einer von dem Schriftsteller Giosuè Carducci angeführten Gruppe Intellektueller gegründet, ist die Società Dante Alighieri (Dante-Alighieri-Gesellschaft) eine italienische Sprachgesellschaft mit Sitz in Rom, die weltweit die Pflege und Verbreitung der italienischen Sprache und Kultur verfolgt. So auch in Traunstein, wo sie als gemeinnütziger, nicht auf Gewinn ausgerichteter Kulturverein sehr wirkt und neben Sprachkursen mit ausschließlich italienischen Lehrern auch Veranstaltungen mit Literatur, Theater und Film anbietet.


Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins fand nun im Traunsteiner Studio 16 eine kleine Feier mit Lesung und Musik statt, organisiert von Fritz Petermüller. In seiner Einführungsrede gab der Vorsitzende Reino Bauer einen kurzen Überblick über Geschichte und Aktivitäten des Vereins, der derzeit rund 230 Mitglieder habe, und stellte die Akteure des Abends vor: Giovanna Donnini, Ingrid Hempen, Paolo Generali, Giovanni Lucio, Robert Sattler, Willi Schwenkmeier und Wolfgang von Wasielewski.

Abwechselnd zu zweit auftretend, nahmen sie das Publikum (im voll besetzten Studio) dabei zunächst auf eine kulinarische Reise durch Italien mit, bevor sie wichtige Vertreter der italienischen Literatur würdigten, zweisprachig erfreulicherweise, mit der deutschen Fassung, bzw. Übersetzung zuerst.

Grundlage des ersten Teils war dabei das Buch »Italien in kleinen Geschichten«, aus dem die Vorleser vier Beispiele italienischer Kochkunst vortrugen. Etwa die Geschichte der Pizza Margherita, die sich wie folgt abgespielt haben soll: Es war einmal ein italienischer König, der mit seiner Gattin Margherita 1889 in Neapel drei Pizzen orderte. Kurze Zeit später brachte Pizza-Bäcker Raffaele Esposito drei unterschiedliche Pizza-Sorten.

Eine der drei, mit Tomate, Mozzarella und Basilikum belegt, mundete der Königin besonders gut und sie ließ Esposito einen schriftlichen Dank zukommen. So kam es, dass die Pizza in den Nationalfarben Italiens (rote Tomaten, weißer Mozzarella, grünes Basilikum) den Namen der Königin erhielt: Margherita.

Märchenhaft klang auch die Geschichte über die Erfindung der Gnocchi, angeblich ausgelöst durch einen Streik der Bäcker in Verona. Die spannendste der Geschichten stammte allerdings nicht aus der Gastronomie, sondern aus einer Beweisaufnahme vor Gericht – und das nicht etwa in Italien. Grund des Verfahrens: Kann es sein, dass Marco Polo die Nudeln aus China nach Italien gebracht hat?

Im zweiten Teil stellte Petermüller drei wichtige italienische Autoren vor: Umberto Eco (1932 bis 2016), dem mit seinem ersten Roman »Der Name der Rose« gleich ein Welterfolg gelang; den »Don Camillo und Peppone«-Erfinder Giovanni Guareschi (1908 bis 1968), und Leonardo Sciascia (1921 bis 1989), der mit seinen Mafia-Romanen wie »Der Tag der Eule« oder »Jedem das Seine/Zwei Särge auf Bestellung« nicht nur in Italien für Aufsehen sorgte. Bei der anschließenden Lesungen erfuhr man dann, »Wie man mit einem Lachs verreist« (Eco), oder auch, was eine Heiligenstatue mit einem Revoluzzer namens Garibaldi gemein haben kann (Guareschi). Mit der Kurzgeschichte »Eine Gewissensfrage« (Sciascia) über sizilianische Mentalitäten neigte sich der kurzweilige Abend dann dem Ende zu.

Musikalisch bestens umrahmt wurden die Lesungen von dem Sänger, Gitarristen und Italien-Kenner Robert Sattler, der mit Liedern wie »Un giorno credi« (Edoardo Bennato), »La gatta« (Gino Paoli) oder »Volare« (Domenico Modugno) für authentisch italienisches Flair sorgte. sw