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Im »Sparzer Kircherl« werden wieder Messen gefeiert

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In neuem Glanz erstrahlt das »Sparzer Kircherl«. (Foto: Pültz)

Traunstein – In der St.-Joseph-Kapelle in Sparz wird wieder die Messe gelesen. Einige Jahre lang war das »Sparzer Kircherl« geschlossen, jetzt ist das Gotteshaus erneut zugänglich. Nach dem Abschluss der Außenrenovierung hat die Pfarrgemeinde die Kapelle eröffnet. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte Kirchenpfleger Simon Schreiber, dass einmal im Monat eine Messe stattfindet.


Die Kapelle steht in der Nähe der Mädchenrealschule. Die Englischen Fräulein, die die Schule betrieben, hatten die nahe gelegene Kirche gepflegt und das Portal offen gehalten. Als die Klosterschwestern jedoch Traunstein verließen – und als unübersehbar war, dass der Zahn der Zeit am Gotteshaus genagt hatte –, ging die Tür nicht mehr auf. Die Kirche blieb geschlossen. Etwa sieben bis acht Jahre sei sie, wie Schreiber zurückblickt, nicht zugänglich gewesen, ehe sich die Pforte wieder geöffnet habe.

Neues Leben ist ins alte Mauerwerk eingekehrt: Jeden dritten Mittwoch im Monat wird eine Messe gefeiert. Und wer mag, kann die Kirche an jedem Wochenende besuchen: Simon Schreiber, der nicht weit von ihr entfernt wohnt, schließt sie jeweils am Samstag und Sonntag wie auch an Feiertagen um 8 Uhr auf – und bis 18 Uhr ist dann jeder willkommen, einen Blick hineinzuwerfen.

Schreiber ist noch neu im Amt des Kirchenpflegers, Und so erzählt er, dass nicht er, sondern vielmehr sein Vorgänger Hannes Huber die Arbeit erledigt habe – und zwar »mit unermüdlichem Einsatz«. Und zu leisten war laut Schreiber jede Menge: Zwei Jahre lang, von 2016 bis 2018, hielt die Außenrenovierung die Kirchenstiftung St. Oswald, und damit vor allem auch den Kirchenpfleger, in Atem. Eine Vielzahl einzelner Arbeiten habe man koordinieren und erledigen müssen – summa summarum entstanden laut dem heutigen Kirchenpfleger Kosten von über 500.000 Euro.

Die Kirchenstiftung St. Oswald, der Bauherr, erfuhr jedoch große Unterstützung. Vom Freistaat – über das Landesamt für Denkmalpflege – wie auch von der Erzdiözese seien Zuschüsse gekommen, so Schreiber. Und so sagt er, dass die Kirchenstiftung unterm Strich »nur« rund 15 Prozent der Baukosten aus der eigenen Tasche habe nehmen müssen – was aber auch noch eine hohe Summe gewesen sei, die die Kirchenstiftung über Spenden erst einmal habe zusammenbringen müssen.

Erneuern ließ die Kirchenstiftung insbesondere das Dach. Um eine Sanierung zu ermöglichen, die den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechen, musste man das Gotteshaus komplett mit einem Gerüst versehen – also auch ein neues Dach über das alte legen. So vor Regen geschützt, entfernten die Arbeiter die Schindeln und ertüchtigten das Gebälk. Und schließlich deckten sie das Dach neu ein.

Auch an den Fenstern und Türen hatte die Zeit ihre Spuren hinterlassen. So ließ die Kirchenstiftung auch die Steinumrandungen der Sakristei- und der Eingangstür wie auch die der zugemauerten Tür an der Südseite sanieren. Die Fensterbrüstungen aus Stein ließ sie auf Vordermann bringen, die Fenstergitter ergänzen.

Und dann erhielt das Kircherl ein neues Gewand. An vielen Stellen war der Putz abgebröckelt, von Schäden am Mauerwerk übersät waren die Fassaden. Also ließ die Kirchenstiftung den Putz von unten bis auf eine Höhe von rund zwei Metern über dem Erdboden komplett entfernen. Auch einige Überraschungen traten zutage.

Schreiber erzählt, dass eine Inschrift aus dem Jahr 1864 auftauchte – wobei die Vermutung nahe liege, dass in diesem Jahr wohl eine der vielen Umbauten erfolgte, die die Kirche in ihrer langen Zeit erlebte. Womöglich habe sich damals ein Zimmerer verewigt, nennt der Kirchenpfleger eine der möglichen Erklärungen, die im Raum stehen. Die Inschrift sei in altdeutscher Schrift gehalten und müsse erst noch genau begutachtet und ausgewertet werden, ehe stichhaltige Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.

Als die Arbeiter die einzelnen Putzschichten abtrugen, kamen mehrere, unterschiedliche Farben zum Vorschein, die die Kapelle in früheren Episoden geschmückt hatten. Die Kirchstiftung St. Oswald, die sich laut Schreiber zum Ziel gesetzt hatte, den »ursprünglichen Zustand« wiederherzustellen, stand vor einem Problem: Sie habe sich, wie der Kirchenpfleger erläutert, auf eine Farbe festlegen müssen, die für sie die »ursprüngliche« war. Doch auch diese Hürde habe die Kirchenverwaltung auf ihrem langen Weg der Sanierung genommen: In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege habe sie sich schließlich entschieden – und so erstrahlt das »Sparzer Kircherl« jetzt in leicht rosafarbenem Glanz.