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»Ich habe Franz-Josef Strauß bedient«

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Zwei Briten sind jetzt Deutsche: Zusammen mit seinem Bruder Peter Lloyd aus Marquartstein (rechts) ließ sich Andrew Lloyd aus Unterwössen (Mitte) einbürgern. Mit auf dem Bild Unterwössens zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger. (Foto: Effner)

Traunstein – Die meisten von ihnen leben schon seit Jahrzehnten in Deutschland, sind hier verheiratet, haben einen Beruf gelernt oder wollen sich eine Existenz aufbauen und sie fühlen sich gut integriert: Mit der Entgegennahme der Einbürgerungsurkunden haben sie den letzten Schritt vollzogen, als vollwertige deutsche Staatsbürger alle Rechte und Pflichten der Bundesrepublik Deutschland wahrnehmen zu können. Als Willkommensgruß überreichte stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser 46 neuen Mitbürgern aus dem Landkreis bei der Einbürgerungsfeier im Landratsamt Traunstein kleine Geschenke.


Die Neubürger aller Altersstufen kommen aus vielen Ländern: Rumänien, Kasachstan und Marokko sind ebenso darunter wie Iran, Afghanistan, Mexiko und Brasilien oder Kroatien, Spanien und Finnland. Dem Brexit entkommen fünf Bürger aus Großbritannien mit einem neuen Pass.

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Die Hürden vor der Einbürgerung sind hoch: Sie reichen von Urkunden und Nachweisen über Ver-dienst, Alterssicherung sowie Miet- und Arbeitsver-träge über die Deutschprüfung und den Einbürge-rungstest zur Rechts- und Gesellschaftsordnung bis hin zur Überprüfung durch die Sicherheitsbehörden.

Konhäuser erinnerte daran, dass beim Verfassungskonvent 1948 auf Herren-chiemsee über die gesetzlichen Grundlagen der Bundesrepublik beraten wurde. »Sie wurde angelegt als streitbare, wehrhafte Demokratie zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger.« Diese brauche »Menschen, die bereit sind, mitzuarbeiten und sich zu engagieren«. Die Einbürgerung, so Konhäuser weiter, sei keine Abkehr von der eigenen Vergan-genheit, sondern das »Bekenntnis zu einer gemeinsamen Zukunft« und zu aktiver Teilnahme am öffentlichen Leben.

Nach dem Singen der Nationalhymne und Gemein-schaftsfotos tauschten sich die Neubürger mit ihren Angehörigen und den zwölf anwesenden Bürgermeistern im Casino bei kleinen Leckerbissen aus. Zusammen mit seinem Bruder Peter, der als Rechtsanwalt in Marquartstein lebt, hat sich Andrew Lloyd aus Unterwössen einbürgern lassen. Beide Briten hatten ihre Frauen zur Feier mitge-bracht. Der 64-jährige gebürtige Waliser lebt schon seit 1984 in Deutschland und ist Lehrer für Wirt-schaftsenglisch an der kaufmännischen Berufsschule in Traunstein.

»Ich werde meinen britischen Pass nicht mehr ver-längern lassen«, sagt er mit Blick auf den Brexit. Dass unlängst etliche Labour- und Tory-Abgeordnete ihrer Partei den Rücken gekehrt haben, spreche Bände. Er habe sein Lebenszentrum in Unterwössen, fühle sich aber als überzeugter Europäer, der vor allem die nationalistischen Strömungen mit großer Skepsis sehe. Für ein echtes Novum in Marquartstein sorgte Andrews Bruder Peter Lloyd, als er sich vor 23 Jahren das erste Mal in den Gemeinderat wählen ließ. Noch dazu als Grüner.

»Ich habe Franz Josef Strauß bedient, als er in Inzell war«, erzählte Roman Sanchez voller Stolz. Der ge-lernte Silberschmied aus Spanien kam bereits 1967 nach Siegsdorf und arbeitete zehn Jahre lang als Kellner beim Fernsehkoch Max Inzinger in Inzell. Davor war er auf dem Bau in Salzgitter tätig. 1982 bildete er sich zur Restaurantfachkraft weiter. Im Hotelgewerbe lernte Sanchez auch seine jetzige Frau Ivanka kennen, die aus Kroatien stammt. Bereits seit Jahrzehnten ein Paar, strahlen beide frischgebackenen Neubürger: »Wir haben uns hier nie fremd gefühlt und sind mit voller Überzeugung Deutsche.«

In Thailand hat Norbert Peter aus Trostberg seine Frau Somsri kennengelernt, die im Dirndl zur Einbürgerungsfeier gekommen ist. Seit 2013 ist sie in Bayern. Die Leute in ihrer neuen Heimat findet sie »total nett«, nur an die Wintertemperaturen hat sie sich noch nicht gewöhnt. Im Rahmen einer großen Prachthochzeit mit 150 Familienangehörigen im buddhistischen Tempel bei Bangkok haben sich beide Trostberger das Ja-Wort gegeben. eff