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FDP will mit eigenem Landratskandidat punkten

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Der FDP-Kreisverband Traunstein nominierte Christian Schunck (Zweiter von links) als Landratskandidat. Unser Foto zeigt ihn mit dem FDP-Bezirksvorsitzenden Axel Schmidt (links), dem FDP-Kreisvorsitzenden Dr. Walter Buggisch (rechts) und Jessica Sanchez, Mitglied des FDP-Bezirksvorstands. (Foto: Buthke)

Traunstein – Obwohl oder gerade weil er mit keinem Mandatsträger derzeit im Traunsteiner Kreistag vertreten ist, schickt der FDP-Kreisverband Traunstein bei den Kommunalwahlen 2020 einen eigenen Landratskandidat ins Rennen. Bei der Aufstellungsversammlung im Gasthaus Sailer-Keller wurde Christian Schunck aus Obing mit 100 Prozent der Stimmen als Landratskandidat nominiert. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es waren auch nur zehn stimmberechtigte und damit rund ein Drittel der Mitglieder des Kreisverbands anwesend.


Die FDP wolle damit mehr Aufmerksamkeit erringen, betonte der Kreisvorsitzende Dr. Walter Buggisch, und so mehr Punkte für die noch aufzustellende Liste der Kreistagskandidaten einfahren. Er sprach von einem »historischen Termin«, denn die FDP habe im Landkreis Traunstein noch nie einen Landratskandidat aufgestellt. Für die kommenden Kommunalwahlen sah Buggisch den FDP-Kreisverband gut aufgestellt, denn neben einer Kreistagsliste ist die Aufstellung von Gemeinderatslisten in Obing und Unterwössen bereits sicher. In Grassau arbeite die Partei daran und auch in Trostberg sehe es für eine Stadtratsliste sehr gut aus, so der Kreisvorsitzende. »Was da gerade passiert, ist geradezu sensationell.«

Besonderes Interesse an Verkehr und Umwelt

In seiner Vorstellung sagte der 1972 in Köln geborene Schunck, er habe in Trier Volkswirtschaft studiert und lebe seit rund 15 Jahren in Bayern. Er arbeitet als selbstständiger Berater. Seit 25 Jahren ist er Mitglied bei der FDP. Ehrenamtlich ist er unter anderem als Beirat bei der Chiemgau-Lokalbahn tätig. Deshalb gelte sein besonderes Interesse auch Themen des Verkehrs sowie des Umwelt- und Klimaschutzes, sagte Schunck. Eine Stärkung des Öffentlichen Personenverkehrs sei wichtig, um den Individualverkehr einzuschränken, betonte er. Trotzdem halte er daneben die individuelle Mobilität als Ausdruck von Freiheit.

Landkreise und Kommunen hätten großen Einfluss beim Nahverkehr, weil sie dort Leistungsbesteller seien. Bei der Eisenbahn sei der Erhalt und Neubau von Bahnstrecken wichtig. Als Beispiele nannte Schunck die Traun-Alz-Bahn, die Chiemgau-Lokalbahn und die Altstadtbahn Wasserburg. Der Eisenbahnverkehr sei kein Selbstzweck, weil der Straßenverkehr die Umwelt durch Immissionen und Flächenverbrauch belaste.

Weiterhin sah er große Chancen durch die Digitalisierung, deren Nutzung jedoch nicht »dahergeflogen« komme. Deshalb forderte Schunck für den Landkreis eine Verbesserung der Versorgung in der Internet- und Mobilfunkabdeckung, zum Beispiel durch die digitale Antragstellung in der kommunalen Verwaltung und einer stärkeren Förderung von Start-up-Unternehmen.

In der Bildung müsse der Landkreis seine Anstrengungen intensivieren, allen eine entsprechende Bildung anzubieten. Denn die Versorgung des heimischen Mittelstandes mit Fachkräften sei kein Selbstläufer.

Ebenso fand er, dass die Gesundheitsversorgung der Landkreisbevölkerung eminent wichtig sei. Deshalb dürfe der Landkreis seine Kliniken nicht aus der Hand geben. »Sie müssen unter öffentlicher Kontrolle bleiben.« Primär gehe es darum, eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu sichern.

Ganz allgemein sei es wichtig, dass sich der Landkreis als Gemeinwesen nicht für Einzelinteressen einspannen lasse. »Wir brauchen einen Landkreis, in dem sich alle wohlfühlen und wiederfinden«, unterstrich der Landratskandidat. Er freute sich schon auf die Kreistagsliste und war sich sicher: »Wir werden ein respektables Ergebnis erzielen. Die Wahl ist richtungsweisend für den Landkreis.«

In der Diskussion wurde bezüglich der Netzabdeckung nachgefragt. Schunck sagte, zuständig seien in erster Linie die Anbieter. Oft sei der Ausbau jedoch für diese nicht rentabel. Ebenso sei die Mobilfunkversorgung entlang der großen Verkehrstrassen ein wichtiges Thema.

Beim Bahnverkehr sollte die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Mobilfunkversorgung in den Zügen in die Ausschreibungsbedingungen aufnehmen.

Auf den Zusammenhang von Tourismus und Landwirtschaft (»Jodeln und Odeln«) angesprochen, meinte der Landratskandidat, dies sei kein Gegensatz, aber man könne Gegensätze auch konstruieren. Er sei kein Freund von »Landwirtschaft-Bashing«, denn sie spiele eine wichtige Rolle für unsere Ernährung. »Ich setze auf einen kooperativen Ansatz, um gemeinschaftliche Lösungen zu finden.« Kein Landwirt sei nämlich daran interessiert, seine Heimat zu schädigen.

»Nun müssen wir nur noch liefern«

Auch der FDP-Bezirksvorsitzende Axel Schmidt fand einen historischen Ansatz für die Versammlung. Sie sei die erste Aufstellungsversammlung für einen Landratskandidat in Oberbayern für die Kommunalwahlen 2020. Von den etwa 450 Gemeinden in Oberbayern gebe es rund 80 Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern. Davon trete in die FDP bei den nächsten Kommunalwahlen in 60 Gemeinden mit einer Kandidatenliste an. Dies sei ein großer und geradezu historischer Erfolg. »Nun müssen wir nur noch liefern«, meinte Bezirksvorsitzender Schmidt. Bjr