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Ein Kammerjäger packt aus

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Wichtigstes Utensil für den Kammerjäger Sigi sind seine Handschuhe. (Foto: Heel)

Noch ist die Bühne verwaist, aber hinter dem Vorhang ist bereits der Teufel los. Dort plärrt einer herum, schimpft und flucht und fordert sogar zum Töten auf, Namen wie Mohammed oder Karadzic fallen und zwischendurch wird immer wieder betont, wie wichtig es sei, dabei Handschuhe zu tragen.


Das Publikum ist gebannt und rätselt: Lauscht man hier der Gebrauchsanweisung für einen Serienkiller? In gewisser Weise ja, wie sich herausstellt. Denn wer hier Krawall macht, ist der Kammerjäger Sigi Zimmerschied, der gerade dem Küchenpersonal eines serbischen Lokals die Leviten gelesen hat. Und zwar so politisch unkorrekt, wie es nur geht.

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Derart eingeführt, mischt er sich sogleich unters Publikum und hält einigen Besuchern ein Fläschchen mit einer trüben Flüssigkeit unter die Nase. Garantiert tödlich, das Zeug, wie er beteuert. Nach der Einnahme habe man vielleicht noch Zeit für ein (kleines) Weißbier, dann aber: Exitus. Auf der Bühne warten derweil ein paar Geschenke auf ihn, etwa eine Vase, in der an Stelle von Blumen ein Strauß Fliegenpatschen steckt. Denn der Schädlingsbekämpfer, so der offizielle Ausdruck, hat heute Geburtstag. Ein Grund zur Freude oder gar zum Feiern? Nicht unbedingt. Er leidet nämlich, und das nicht wenig. Leidet unter dem schlechten Image seines Berufs, seiner gewalttätigen Vergangenheit als Türsteher, einer Religion (unter dem Kreuz), die das Böse braucht, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Doch woher kommt es, dieses Böse, das ihn als Kind veranlasst hat, mit dem Traktor den Pfarrer des Dorfes zu überfahren. Der allerdings »Ostern spielen musste und wieder aufstand.«

Dieser Frage geht der 1953 in Passau geborene Kabarettist und Schauspieler Sigi Zimmerschied in seinem neuen Programm »Heil – vom Koma zum Amok« nach, das er jetzt in einer Vorpremiere in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS vorgestellt hat. Kein bisschen (alters)milde, sondern angriffslustig und kraftstrotzend wie eh und je. Redet mit Ratten, Kakerlaken und Fliegen und knöpft sich dabei jeden vor: Kirche, Ausländer, Verwandte, Linke und sogar den Konjunktiv. Denn das Böse lauert überall. Auch in seinem Rentenbescheid, den er soeben erhalten hat. Eine geradezu lächerliche Summe, die ihm da in Aussicht gestellt wird. Das kann man sich nicht mehr schön saufen, da muss ein Massaker her. Und so mischt er sich zum furiosen Finale wieder unters Publikum und bestimmt, wer Opfer, Täter und Zeuge ist.

Ein Zuschauerexperiment und Showdown eines Programms, das eher einem Bühnenstück glich, ein so irrer wie dicht verwobener Monolog, der für Gläubige nicht gerade ein Wunschkonzert war, aber nur folgerichtig für die vielen Fans des ehemaligen Theologiestudenten. Der Kabarettist selbst zeigte sich jedenfalls recht zufrieden mit seinem Auftritt. Er werde wohl nicht mehr viel ändern müssen, wie er dem Berichterstatter nach der Vorstellung in einem persönlichen Gespräch erklärte.

Gute Nachrichten hatte er auch bezüglich seiner filmischen Aktivitäten parat: So liege für die geplante Verfilmung seines Romans »Der Komparse« bereits ein Drehbuch vor, und nachdem seine Rolle als Dorfpolizist Mooser in der bayerischen »Tatort«-Folge »Freies Land« derart gut angekommen sei, soll die Figur nun im Mittelpunkt einer 6-teilige Serie stehen. Darüber hinaus ist er im Frühjahr auch im Kino zu sehen, wenn die Tragikomödie »Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick!« anläuft, in der er eine wichtige Nebenrolle innehat. Premiere von »Heil – vom Koma zum Amok« ist am 5. Februar in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Wolfgang Schweiger

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