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»Die Mitglieder sind glücklich, endlich wieder trainieren zu dürfen« – Auflagen im Überblick

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Traunstein: Fitnessstudios mit Start nach Wiederöffnung zufrieden – Auflagen und Regeln im Überblick
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Auch in den Fitnessstudios, Sport- und Rehazentren in der Region darf wieder trainiert werden. Die Mitglieder müssen sich allerdings an einige Regeln halten. (Foto: dpa)

Landkreis Traunstein – Der Verzicht auf Fitnesskurse und Krafttraining war eines der großen Themen in der Corona-Krise. Seit rund eineinhalb Wochen dürfen Sportler zurück in die Fitnessstudios – unter Auflagen. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich bei Betreibern und Mitgliedern von Studios und Sportzentren in der Region umgehört und gefragt, wie der Re-Start gelaufen ist.


Die Wiedereröffnung der Studios ist mit einer ganzen Reihe von Auflagen verbunden (siehe Übersicht am Ende des Artikels), an die sich Betreiber und Nutzer halten müssen. »Es herrscht nach wie vor großer Informationsbedarf«, sagt dazu Angelo Maier, Studioleiter im Sport- und Therapiezentrum Haslach. »Dass der Mund- und Nasenschutz auf den Geräten und während der Übungsausführung abgenommen werden darf, ist natürlich eine große Erleichterung. Dennoch erfordert es ein hohes Maß an Selbstdisziplin für alle Mitglieder und Besucher, die Auflagen einzuhalten. Bislang ist die Stimmung unter den Besuchern sehr gut, die Auflagen werden angenommen und umgesetzt.«

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Hoher Aufwand und Belastung für Personal

Zufrieden ist Maier auch mit der Nachfrage nach der Wiedereröffnung. »Aufgrund des schlechten Wetters war die Auslastung bislang sehr gut. Die Mitglieder sind sehr glücklich, endlich wieder gezielt etwas für ihre Gesundheit machen zu können.« Der Studioleiter macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass der Aufwand und die Belastung für das Personal derzeit sehr hoch sind. »Durch die große Fläche und die Höhe der Halle lassen sich die Auflagen aber gut umsetzen. Alle Geräte haben den entsprechenden Abstand und das Lüftungskonzept greift. Das ist mitunter ja der wichtigste Faktor im Indoortraining.«

Die Schließung kam für das Team des Sport- und Rehazentrums überraschend. »Zu Beginn war das Gefühl erst einmal surreal und in gewisser Hinsicht auch lähmend. Wir haben uns dann darauf konzentriert den Kontakt zu unseren Mitgliedern und Besuchern zu suchen«, sagt Maier. Es wurden im Internet Trainingsvideos angeboten und viele Fragen der Nutzer via E-Mail beantwortet. »Zudem haben wir uns auf verschiedene Renovierungsarbeiten gestürzt, die eigentlich erst im Laufe der nächsten zwei Jahre umgesetzt werden hätten sollen.« Ein Großteil des Teams war auf Kurzarbeit zu Hause, der Rest war voll eingespannt.

»Hat ständig die Abstandsregeln im Kopf«

Von einem sehr guten und befreienden Gefühl, endlich wieder trainieren zu können, spricht Juliane Grünbauer. Die 24-Jährige ist Mitglied im Sport- und Therapiezentrum Haslach. »Allerdings war ich sehr skeptisch, ob's mir mit all den Auflagen auch Spaß machen wird, weshalb ich auch nicht gleich am ersten Tag 'reingerannt' bin, sondern noch etwas abgewartet habe. Das Training selbst war dann auch wirklich etwas komisch, weil man ja ständig die Abstandsregel im Kopf hat und nichts falsch machen möchte.« Vorerst möchte sie sich auf Kurse konzentrieren, »weil mir das ständige Desinfizieren vor und nach der Benutzung der Geräte zu viel Zeit in Anspruch nimmt beziehungsweise zu umständlich ist. Ich bin schon mit der Mitnahme von Trinkflasche und Handtuch überfordert.«

Lobende Worte hat Juliane Grünbauer, wie das Sportzentrum die Zeit der Schließung überbrückt hat. »Wir haben regelmäßig Mitgliederinformationen per E-Mail sowie als Video über die Homepage, Instagram und Facebook bekommen. Das war ein ziemlicher Luxus und wirklich perfekt organisiert und umgesetzt. Man wusste wirklich zu jeder Zeit über den aktuellen Sachstand Bescheid und konnte sich außerdem immer telefonisch oder per E-Mail melden, wenn es Fragen gegeben hätte«, so die 24-Jährige.

»Re-Start verlief eher verhalten«

»Unsere Kunden kommen mit der Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregeln sehr gut klar, auch die Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen des Studios ist kein Problem«, sagt Martin Pfeifer, Inhaber von Fit World TS. »Der Re-Start ist wie auch in den anderen Bundesländern eher verhalten gelaufen, die Auslastung lag in der ersten Woche bei circa 30 Prozent und steigt nun wochenweise um zehn Prozent laut Prognosen der anderen Bundesländer. Diesen Trend verzeichnen wir bis dato auch.«

Die Zeit der Schließung wurde im Fit World für diverse Umbau- und Revisionsarbeiten genutzt. »Und auch an diversen Ernährung und Fitnesskonzepten arbeiten wir mit Hochdruck, die wir unseren Kunden in den nächsten Wochen vorstellen.« Außerdem haben die Mitarbeiter versucht, während der Schließungsphase Kontakt zu den Mitgliedern zu halten und ihnen mit Onlinekursen Tipps zu geben, »was sehr gut ankam«.

»Kapazitäten noch immer nicht ausgelastet«

»Generell haben wir uns einen größeren Ansturm erwartet«, sagt Christina Deppisch vom Gesundheitszentrum Chiemgau im Gewerbepark Kaserne. »Und unsere Kapazitäten sind noch immer nicht komplett ausgelastet. Dennoch sind wir froh darüber, die Mitglieder wieder bei uns begrüßen zu dürfen und freuen uns über die doch zahlreichen glücklichen Gesichter während und nach dem Training. Es läuft langsam aber stetig immer besser an.« Keine Probleme haben die Besucher mit den Vorgaben und auch das Hygienekonzept wird eingehalten.

Auch im Gesundheitszentrum Chiemgau wurde die Zeit der Schließung gut genutzt. »Da wir ein ambulantes Rehazentrum sind, konnten wir die Zeit mit den Patienten intensiver nutzen«, erklärt Deppisch. »Zudem haben wir interne Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeiter durchgeführt.«

Der Social-Media-Auftritt wurde zweimal pro Woche mit lustigen und koordinativen Videos bereichert. »Dadurch wollten wir unseren Mitgliedern die Langeweile vertreiben und ihnen die Möglichkeit geben, von der derzeitigen Situation etwas abgelenkt zu werden.« Kleinere Veränderungen und Erneuerungen wurden auf der Trainingsfläche und im Kursraum vorgenommen.

»Regelmäßiges Training ist wie eine Medizin«

Auch in Traunreut haben die Fitnessstudios seit mehr als einer Woche wieder geöffnet. In der »Medical Times Coaching Zone« im TraunMed läuft Sänger Alex Diehl nach der Corona-Pause auf dem Laufband wieder seine »Runden«. Der 32-Jährige aus Waging trainiert seit rund eineinhalb Jahren regelmäßig nach einem gezielten Trainingsplan und hat mittlerweile 20 Kilo abgenommen. Er habe zwar immer noch zu viel auf den Rippen, sein Allgemeinzustand habe sich aber wesentlich verbessert, sagt er. Als Kulturschaffender hat auch ihn die Corona-Krise mit voller Wucht erwischt: »Ich habe über 30 Konzerte verloren«, so Diehl. Insofern habe er jetzt viel Zeit, um seinen Körper für die hoffentlich noch kommenden Touren halbwegs fit halten.

»Grundsätzlich kommen unsere Besucher aus einer Therapie und bleiben uns dann auch weiter als Kunden erhalten«, erklärt TraundMed-Geschäftsführer Martin Schadhauser. Während der Schließung seien alle Kunden über die sozialen Medien betreut worden. Umso erfreulicher sei es, dass jetzt wieder alle trainieren können. Der Re-Start sei völlig problemlos verlaufen. »Man merkt, wie wichtig das Training für die Leute ist«, sagt Schadhauser, der davon überzeugt ist: »Regelmäßiges Training ist wie eine Medizin.«

»Im Prinzip ist alles machbar«

In der Sportinsel schnürt Bruno Günther nach der studiolosen Zeit wieder seine Sportschuhe. Der Traunreuter, der Sommer wie Winter regelmäßig wöchentlich dreimal trainiert, ist ebenfalls froh, dass er sein Training wieder aufnehmen konnte. Zwei Dinge habe er in der der Corona-Phase vermisst: das Fitnessstudio und das Motorradfahren. Zum Ausgleich sei er in den vergangenen drei Monaten 1200 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Für Günther sind die Hygiene- und Abstandsregeln kein großer Umstand: »Es gibt ein paar Grundsätze, aber im Prinzip ist alles machbar.«

Alexander Weisshaupt, der die Sportinsel seit Ende 2018 betreibt, hat die vorübergehende Schließung genutzt, um das Studio trotz Umsatzeinbruch auf Vordermann zu bringen. »Mich hat während der Zusperrzeit der Mut gepackt, das Studio mit Traunreuter Handwerkern umzugestalten und zu renovieren.« Um nicht alle Mitarbeiter von Anfang an in Kurzarbeit schicken zu müssen, habe er in den ersten eineinhalb Wochen mit seinem Team eine Generalreinigung vorgenommen. Es sei eine abenteuerliche Zeit gewesen, aber der unternehmerische Schritt habe sich als richtig herausgestellt, so Weisshaupt.

Diese Auflagen gelten in den Studios

Für den Betrieb von Fitnessstudios wurde ein strenges Hygiene- und Sicherheitskonzept ausgearbeitet. Wie Angelo Maier, Studioleiter im Sport- und Therapiezentrum Haslach, sagt, müssen zum Beispiel alle Personen im Haus immer 1,5 Meter Abstand halten. »Mund- und Nasenschutz ist immer zu tragen, außer direkt auf dem Gerät oder während der Übung. In der Boulderhalle kann die Maske abgenommen werden, der Abstand von 1,5 Metern ist aber zwingend einzuhalten.«

Nicht nur in Haslach, sondern auch in den meisten anderen Studios in der Region sind die Duschen, Umkleiden und Saunen geschlossen. »Tennis und Badminton dürfen nur 1:1 gespielt werden«, so Maier weiter. »Squash ist nur im Einzeltraining möglich.«

Außerdem müssen die Studios dauerhaft gelüftet werden, Fenster sind immer auf Spaltlüftung hinzu kommt Stoßlüften. Die Geräte müssen von den Mitgliedern immer nach dem Benutzen desinfiziert werden. Außerdem reinigen die Mitarbeiter die Geräte alle zwei Stunden. Beim Eintreten und Verlassen des Gebäudes müssen auch die Hände desinfiziert und die Namen und Kontaktdaten der Besucher erfasst werden. Kurse sind möglich, allerdings auch mit Abstand, einer begrenzten Teilnehmerzahl und nur noch vorheriger Anmeldung.

Wie Christina Deppisch vom Gesundheitszentrum Chiemgau im Gewerbepark Kaserne hinzufügt, müssen die Mitglieder und Patienten derzeit auf Partnerübungen, Gruppenbildungen oder Händeschütteln verzichten. »Bei Vorliegen von Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung ist das Betreten des Hauses untersagt.« Außerdem wurden im Gebäude Wegweiser für Mitglieder angebracht, damit sich keiner in die Quere kommt. jal/ga