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Die Arbeit an den Marktständen ist oft kein Zuckerschlecken

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Schon von Beginn an sind einige Standbetreiber bereits auf dem Traunsteiner Christkindlmarkt vertreten. Dafür ehrte Oberbürgermeister Christian Kegel (Zweiter von rechts) Renate und Rudolf Daser (von links), Brigitte Kotter, Gerhard Kotter und Rosemarie Kotter sowie Paul Tille. (Foto: Artes)

Traunstein – Bereits zum 40. Mal findet der Traunsteiner Christkindlmarkt statt – von Beginn an kommen einige Standbetreiber inzwischen in die Große Kreisstadt, um ihre Waren anzubieten. Für ihre Treue wurden diese Markthändler im Rathaus von Oberbürgermeister Christian Kegel ausgezeichnet und sprachen über ihre Erinnerungen.


Bereits seit 1975 sind die Bäckerei Kotter mit ihren Backwaren, Paul Tille mit glasierten Früchten und Marie-Luise Daser mit Spielwaren auf dem Christkindlmarkt. Dafür bekamen sie von Kegel ein Buch über Traunstein und eine Flasche Wein überreicht. Ebenso lange sind die Traunsteiner Metzgereien Rührgartner, Schneider und Ostermayer mit ihren Imbisswaren und die Gartenmöbelwelt Berger mit einem Glühweinstand auf dem Markt vertreten, die aber verhindert waren.

»Ein Erfolg und eine feste Einrichtung in unserer Stadt, das ist der Christkindlmarkt in den nunmehr vier Jahrzehnten seines Bestehens ohne Zweifel geworden«, sagte Oberbürgermeister Kegel. Am Erfolg des Markts seien auch die Händler beteiligt. Auch wenn »die Arbeit an den Marktständen oftmals kein Zuckerschlecken ist«, sind die »Urgesteine« dem Traunsteiner Weihnachtsmarkt treu geblieben, freut sich Kegel.

Marie-Luise Daser verkauft seit 40 Jahren Spielwaren auf dem Christkindlmarkt. Immer mit dabei ist ihr Ehemann Rudolf. Die beiden kommen immer wieder gerne nach Traunstein, vor allem weil sie eine innige Freundschaft zur Holzschnitzerei Viehhauser verbindet, die auch Aussteller auf dem Christkindlmarkt ist. »Als wir vor 40 Jahren angefangen haben, hatten wir noch einen Stand, der nachts noch mit einer Plane abgedeckt wurde. Erst im zweiten Jahr haben wir unsere Hütte bekommen und die haben wir bis heute noch«, erinnert sich Marie-Luise Daser. Das Sortiment an ihrem Stand würde sich von Jahr zu Jahr ändern: »Wir verkaufen, was gerade im Trend ist.«

Schon als Kind kam Paul Tille auf den Traunsteiner Christkindlmarkt, damals noch mit seinem Vater, der einen Stand mit glasierten Früchten betrieb. Paul Tille übernahm den Betrieb und hat das Sortiment ausgeweitet, sodass die Familie inzwischen vier Stände auf dem Markt betreibt – von Süßwaren bis zur Feuerzangenbowle. Als er 18 Jahre alt war, hat er seinen ersten eigenen Stand aufgemacht. »Ich habe mit Schafwolle und Socken angefangen, später dann Süßigkeiten verkauft«, erinnert er sich. So wie er die Tradition von seinem Vater übernommen hat, werden auch seine Söhne das Familienunternehmen einmal weiterführen. »Traunstein ist für uns zur zweiten Heimat geworden.«

Ein Familienbetrieb ist auch die Bäckerei Kotter. Seit 40 Jahren verkauft sie Backwaren auf dem Christkindlmarkt: »Nur weihnachtliche Sachen wie Lebkuchen oder Kletzenbrot und alles nach alter Rezeptur«, verrät Rosemarie Kotter. Wenn sie an die letzten Jahrzehnte denkt, ist Brigitte Kotter, der Frau von Bäckermeister Gerhard Kotter, eine Aktion besonders in Erinnerung geblieben: 2005 veranstaltete die Bäckerei zusammen mit der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks den Rekordversuch »1000 Kinder verzieren 1000 Lebkuchen in 1000 Sekunden«. Als Brigitte Kotter am Morgen aus dem Fenster sah, lag Schnee. »Wir haben gebangt«, erzählt sie, denn die Aktion fand auf dem Stadtplatz statt, »alles wäre nass geworden oder durchgeweicht, die Kinder hätten gefroren«. Aber eine Stunde vor Beginn hat es aufgehört und so wurde alles planmäßig durchgeführt. Auch für neue Rekordversuche hat Gerhard Kotter schon Ideen: »Wenn mir langweilig ist, überlege ich mir neue Weltrekordversuche«, erzählt er. Unter anderem kam die Bäckerei Kotter 1975 mit den längsten Christstollen oder 1994 mit dem schwersten Schoko-Nikolaus in das Guinnessbuch der Rekorde. Die neuen Ideen für Weltrekorde entstehen auch aus der »Liebe zum Beruf«. Verraten will der Bäckermeister allerdings noch nichts: »Aber es wird was Großes und bestimmt deutschlandweit Aufmerksamkeit erregen«, verspricht er. Erste Vorgespräche habe er schon geführt, sodass der Weltrekordversuch in den nächsten Jahren durchgeführt werden kann.

Kotter findet, dass der Christkindlmarkt die »preiswerteste und effektivste Wirtschaftsförderung« für die Stadt ist und diese dadurch auch ihr Image verbessern könnte. »Der Markt sollte nicht nur durch das vorhandene Angebot definiert werden, wir müssen auch das kulturelle Angebot fördern«, fordert der Bäckermeister. Seine Hoffnung für die Zukunft ist, den Markt noch attraktiver zu gestalten. »Man könnte mit wenigen Mitteln sehr viel erreichen. Aber dafür sollte man auch mal etwas tun«, sagt er. Erste Ideen, wie man die Attraktivität fördern kann, hat auch Paul Tille: »Ich würde gerne mal ein weihnachtliches Feuerwerk abschießen.« Auch einheitliche Öffnungszeiten der Geschäfte in der Innenstadt wären für ihn eine Option. Wichtig wäre es seiner Meinung nach, bei der Umsetzung von neuen Ideen, »dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen«. Julia Artes