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Der erstaunliche Kosmos »Ohr« in Bild und Form

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Hannes Stellner zeigt auch einige seiner Ohr-Skulpturen aus weiß bemaltem Holz. (Foto: Giesen)

Ohren wohin das Auge blickt: »Hannes Stellner umkreist eine Form, bis um diese, durch seine kreisenden Arbeitsbewegungen ein Kosmos entstanden ist.« So hat der Künstler Andreas Pytlik bei der Vernissage in der Aula der Privatschule Dr. Kalscheuer in Traunstein die Arbeitsweise seines Künstlerkollegen Hannes Stellner erklärt. Organisiert von dem Künstler und Kunsterzieher der Schule, Rudi Pflügl, zeigt Stellner unter dem Titel »Ohr« eine repräsentative Auswahl seiner Werke von Bildern bis zu Fotos und Skulpturen.


In jedem Jahr veranstaltet die Wirtschaftsschule eine Ausstellung mit Werken eines Künstlers aus der Region, um den Schülern die zeitgenössische Kunst näher zu bringen, aber auch, um die Schule für Kunstinteressierte zu öffnen. Hannes Stellner, 1958 in Seeon geboren, studierte sechs Jahre lang an der Akademie der Bildenden Künste in München, unterrichtete an der Berufsschule für Holzbildhauerei und Schreinerei in Berchtesgaden und erhielt 2002 den Förderpreis der »Dr. Michael Stöcker Kultur- und Sozialstiftung Rosenheim«.

Seit 20 Jahren beschäftigt er sich eingehend mit dem Thema »Ohr«, wobei zuerst der menschliche Körper für ihn im Mittelpunkt stand, aber bald das menschliche Ohr seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. Stellner zeichnet und schafft Gipsohren, Tonohren, Betonohren, Holzohren oder Aluminiumohren – Ohren aus sämtlichen nur erdenklichen Materialien. Für den sensiblen Betrachter verändert jedes verwendete Material die Aussage, Lichtaufnahme und Reflexion unterscheiden sich. »Jede Ohrskulptur steht für sich und den Ohrkosmos gleichermaßen«, drückte es Pytlik in seiner Rede aus.

Wie die Ausstellung zeigt, hat auch die Umgebung der Skulptur – Gras, Sand, Steine oder ein geschlossener Raum – Einfluss darauf, wie das Kunstwerk wirkt und was seine Aussage sein könnte. In einer Polizeidirektion löst eine Ohr-Skulptur zweifellos andere Assoziationen aus als in der Traunsteiner Klosterkirche, wo 2005 mehrere hundert Gipsohren symbolisch als Kirchgänger dem Wort aus der Apsis der Kirche lauschten.

Auffällig ist auch ein durchsichtiger Behälter mit kaputten, zerstörten Ohren aus rötlichem Ziegel – noch immer leben wir im Zeitalter der sinnlosen Zerstörung, wie sich zum Beispiel bei der Zerstörung vieler Kunstwerke des gerade neu eröffneten Skulpturenwegs am Chiemseeufer vor acht Jahren sinnfällig zeigte.

Wer sich genügend Zeit nimmt, sich mit den Arbeiten zu befassen, dem wird die Präsentation einen neuen, unerwarteten Zugang zum Kosmos »Ohr« eröffnen.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Weckerlestraße 4 in Traunstein noch bis Sonntag, am Freitag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 18 Uhr. Christiane Giesen