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»Brassmatiker« geben Benefizkonzert in Traunstein

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Traunstein: »Brassmatiker« geben am Samstag Benefizkonzert für Ambulanten Hospizdienst
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Geben am Samstag um 19 Uhr im Chiemgau-Gymnasium ein Benefizkonzert für den Ambulanten Hospizdienst der Caritas Traunstein: die »Brassmatiker« mit (von links) Dr. Henning Büscher, Dr. Bernhard Frey, Dr. Dominik Scheruhn, Dr. Christian Albert und Dr. Benedikt Wittmann.

Traunstein – Alle fünf sind sie Ärzte oder Zahnärzte, zusammen sind sie die »Brassmatiker«. Am Samstag geben sie um 19 Uhr in der Aula des Chiemgau-Gymnasiums ein Benefizkonzert zugunsten des Ambulanten Hospizdienstes der Caritas Traunstein, der gerade sein 25-jähriges Bestehen feiert.


Die »Brassmatiker« nennen sich auch das deutsche Ärzteblech. Zu ihnen gehört zum einen Dr. Dominik Scheruhn, Trompete, niedergelassener Orthopäde in Hof. »Da ihm zu keinem Thema ein Witz fehlt und er zudem 33 Sprachen spricht, hat er neben dem verantwortungsvollen Posten des Orchester- und Notenwarts auch die Funktion der Moderation übernommen«, stellen ihn die »Brassmatiker« auf ihrer Internetseite vor. Zweiter Trompeter ist Dr. Henning Büscher, Zahnarzt in Neuhaus am Inn »und somit schmerzhaft hohe und schrille Töne gewöhnt – als einziger Bayer auf zweitem Bildungsweg übernimmt er die Moderation auf Hochdeutsch.«

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»Trifft wichtige Entscheidungen und alle Töne«

Der Ravensburger Kinderarzt Dr. Christian Albert am Horn ist nicht erst seit dem zehnten Kind in den Familien des Quintetts begehrter denn je: »Er trifft nicht nur wichtige Entscheidungen zur Gesundheit unserer Kleinen – sondern auch sämtliche Töne«, heißt es in der Vorstellung der Musiker. Der niedergelassene Allgemeinarzt aus Rosenheim, Dr. Bernhard Frey an der Posaune, erlangte seinen Durchbruch und Bekanntheit in der Serie »Der Bergdoktor vom Samerberg«. »Viel länger kennen wir ihn als Gründungsmitglied und verlässlichen Mann am Zug der Posaune«, verrät die Gruppe über ihn.

Und schließlich ist da noch Dr. Benedikt Wittmann an der Tuba – »unser Fundament vom Chiemsee ist niedergelassener Zahnarzt in Prien. Sein filigraner Beruf lässt zunächst nicht auf ein solches Instrument schließen. Tatsächlich hat er auch über den Umweg Geige, Klavier und Kirchenorgel zur Tuba oder besser den Tuben gefunden: Fanny, Cäci, Sousi, Berta und Brunhild… weitere wurden wegen Platzmangels abgelehnt«.

»Ich hatte seit meinem 16. Lebensjahr am Mozarteum in Salzburg Tuba-Unterricht«, erzählt Wittmann im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Der gebürtige Seeoner lernte seine Musikerfreunde 1998 im deutschen und im bayerischen Ärzteorchester kennen, »da waren wir alle noch im Studium. Musik und Medizin hängen ja ganz oft zusammen«, sagt er. Auch seine Frau Christine, eine Querflötistin, hat er auf diesem Weg kennengelernt. Neben dem bayerischen, dem deutschen und dem Welt-Ärzteorchester gibt es 20 weitere Ärzteorchester in Deutschland. »Wir alle spielen schon Instrumente, seit wir vier oder fünf Jahre alt sind, hatten Unterricht bei verschiedenen Professoren.« Frey etwa hatte in Wien an der Musikhochschule Posaune studiert. Aber Wittmann ging es wie ihm: »Irgendwann muss man sich entscheiden, wovon man einmal seine Familie ernähren will. Hätten wir uns für die Musik entschieden, müssten wir jeden Tag Musik machen. So können wir das zwar, müssen es aber nicht.«

Angefangen hat es in Hörsälen vor Studenten

Schnell wurde im Laufe diverser Ärztekonzerte klar, dass man ein eigenes Blechbläserquintett gründen wollte. Und über die Gedanken von der Lungenerkrankung über die Beteiligung der Lunge am Spielen der Blasinstrumente bis zur Bezeichnung »Brass« für Blechblasinstrumente entstand der Name »Brassmatiker«. Nach ersten Konzerten für Studenten in Hörsälen, »die immer lustig und heiter waren und sehr gut ankamen, haben wir uns überlegt, das mit dem Benefizgedanken zu verbinden«, so Wittmann. Ständig sei man auf der Suche nach neuen Noten, bereits jetzt hätten die »Brassmatiker« über 400 Werke im Repertoire.

Aus den einstigen Medizin-Studenten wurden Ärzte und Zahnärzte – und Freunde. »Wir haben uns gegenseitig begleitet durch die Studienabschlüsse, die Promotion, die Niederlassung, die Familiengründung. Erst waren wir zu fünft, jetzt haben wir alle Frau und zwei Kinder.« Und auch ihre Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren fingen schon an, Instrumente zu lernen.

Und als mit der Niederlassung die Wohnorte klar waren, versuchte jeder der Beteiligten, an seinem Wohnort Benefizkonzerte zu organisieren, oft zusammen mit Rotariern oder dem Lions-Club. »Triebfeder dafür waren letztlich unsere zusammen zehn gesunden Kinder und natürlich die pure Freude am Musizieren«, so Wittmann.

Dabei haben sie schon einiges erlebt: »Mit dem Welt-Ärzte-Orchester durften wir schon in Paris spielen in der Kathedrale von Reims und der Philharmonie in Paris, im Jahr davor durften wir in der neuen Elbphilharmonie spielen«, erinnert sich Wittmann an einige schöne Erlebnisse. Ehrfürchtig berichtet er, als welch große Ehre er es empfindet, als Laie dort spielen zu dürfen.

Ein besonderes Erlebnis war für Wittmann ein Konzert zugunsten des Posaunenchors der Lebenshilfe in Hof. »Zwei Stücke haben wir mit den Kindern gespielt. Ihre Lebensfreude war unglaublich inspirierend.« Eher lustig findet er im Nachhinein seinen ersten Wiesn-Einzug: »Ich hab mir für die sieben Kilometer lange Strecke ausgerechnet meine größte und schwerste Tuba ausgesucht. Drum haben die anderen Tubisten alle so über mich gelacht ...«

Um das Thema Hospiz kommt man nicht herum

Zum Konzert zugunsten des Ambulanten Hospizdienstes Traunstein sagt Wittmann: »Hospiz ist ein Thema, das einem in der Medizin zwangsläufig begegnet. Meine Frau ist Intensivmedizinerin, mein Bruder ist Arzt. Da habe ich schon miterlebt, was das für eine großartige Bewegung ist.« Und auch Onkel, Tante und Oma seien vom Traunsteiner Hospizdienst betreut worden, »das war eine unglaubliche Unterstützung für die Familie«. Schön sei auch die wohnzimmerartige Atmosphäre in den Hospizen, die er kennengelernt habe. »Da geht es um die Würde des Menschen, ich bin so dankbar für solche Einrichtungen.«

Und so gab es schon 2015 ein Konzert für die Hospizgruppe Prien, dessen Erlös dem Bau des Bernauer Hospizes zugute kam. Bis zu 400 Zuhörer können nun am Samstagabend bei freiem Eintritt den Hospizdienst der Caritas mit Spenden unterstützen. coho