weather-image

Auf zwei Rädern nachhaltig die Welt entdecken

4.3
4.3
Nachhaltig die Welt entdecken: Ehemaliger Traunsteiner Pfarrer fährt mit Rad in Urlaub
Bildtext einblenden
Reisen gerne klimafreundlich mit dem Rad: der ehemalige Traunsteiner Stadtpfarrer Sebastian Heindl (rechts) und sein Neffe Sebastian Keilbach.

Nachhaltiges Reisen ist zwar immer mehr im Kommen – doch Urlaub ohne Flugzeug und Auto scheint für viele Reisende noch undenkbar. Doch es geht auch anders, wie der ehemalige Traunsteiner Stadtpfarrer Sebastian Heindl zeigt. Seit Jahrzehnten macht er Urlaubsreisen quer durch Europa auf dem Fahrrad – Übernachten unterm Sternenhimmel inklusive.


Italien, Kroatien, Rumänien, Polen, die Ukraine oder die baltischen Staaten – vor allem Osteuropa hat es dem passionierten Radfahrer Sebastian Heindl angetan. Urlaubsreisen überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, mit dem Rad unternimmt der 67-jährige Pfarrer seit frühester Jugend.

Anzeige

Die erste Reise ging – mit einem Rad ohne Gangschaltung – von seinem Heimatort Kirchdorf im Landkreis Mühldorf über Halfing nach Ebersberg, damals war Heindl 13 Jahre alt. »Eine Panne zwang mich zum Aufhören«, erinnert er sich. Seiner Leidenschaft für Urlaub auf zwei Rädern tat dies aber keinen Abbruch.

Regelmäßig Urlaub mit dem Rad macht er seit 1983; damals ging es mit einem Freund entlang des Donauradwegs nach Wien. Denn Heindl radelt nie alleine. »Ich habe sonst innerhalb kürzester Zeit Heimweh, und wenn man zu zweit ist, fährt immer ein Stück Heimat mit«, sagt Heindl. Viele Jahre begleitet Heindl sein evangelischer Kollege Wuck Linhardt. »Wir haben uns gemeinsam vor eine große Europakarte gestellt und uns überlegt, wo es schön sein könnte«, so erinnert sich Heindl an seine Reiseplanungen mit Linhardt.

Und dann sind die beiden losgeradelt, immer wieder für viele Jahre, mit einem konkreten Ziel, aber immer auch mit dem Bewusstsein, dass der Weg ein Teil des Ziels ist. Seit vier Jahren begleiten ihn seine Neffen auf den Radreisen. Freiburg, Budapest, Rom – jetzt sind Städte meist das Ziel. Seine Reisen startet er von zu Hause aus; ist die Anfahrt langwieriger, nutzt er den Zug.

Die ursprüngliche Motivation für das Reisen mit dem Rad war nicht der Gedanke an klimafreundlichen Urlaub sondern die Freude am Radfahren. Ihm ist wichtig, das Reisen nicht von der moralischen Seite aus zu betrachten, sondern daran zu messen, was ihn erfülle, betont Heindl. Schließlich sind seine Radreisen in erster Linie Urlaub. »Es tut der Lebensqualität aber keinen Abbruch, reduziert zu leben.«

Diese Art des Reisens mit Nachhaltigkeit zu verbinden, ergebe sich automatisch, weiß Heindl inzwischen aus Erfahrung. Wenn man das Gepäck selbst transportieren muss, reduziert es sich auf das Nötigste. Eingekauft wird immer frisch und nur das, was man am jeweiligen Tag benötigt; so fallen kaum Reste an. Wenn doch, hat er wiederverwendbare Plastikdosen dabei. Die Trinkflasche befüllt er mit Leitungswasser.

Übernachtet wird, so oft es geht, unter freiem Himmel. Dabei campe er aber nicht, sondern suche sich lediglich einen Schlafplatz etwas abseits der Straße unterm Sternenhimmel, ohne Zelt und Luftmatratze, nur mit Schlafsack. Probleme gab es bisher nie und »draußen schlafen ist nicht verboten«.

Katzenwäsche und Notdurft am Morgen könne man gut mit einem Kaffee in der nächsten Bar verbinden. Wenn es regnet, gehe er aber in eine Pension. »Es gibt nichts Schlimmeres, als um 3 Uhr morgens von Regen geweckt zu werden.« Für den Notfall ist ein Biwaksack im Gepäck.

Bildtext einblenden
So oft es geht, wird unter freiem Himmel übernachtet. Keinen Müll zu hinterlassen, ist selbstverständlich.

Urlaub auf zwei Rädern hat einen besonderen Reiz: »Wer mit dem Rad unterwegs ist, nimmt seine Umgebung anders wahr, riecht und hört andere Dinge«. Die Bilder besonders über Osteuropa seien häufig negativ geprägt. Diese Regionen auf dem Rad zu entdecken, helfe sehr, dies ins rechte Licht zu rücken. Egal ob in Rumänien oder der Ukraine – Länder, in denen Radtouristen selten sind: Sebastian Heindl wurde immer mit wohlwollendem Staunen begrüßt.

Zwar sei man auf dem Rad angreifbarer als in einem Auto, aber viel näher dran an den Menschen. Angst habe er auf seinen Radreisen nicht, aber den nötigen Respekt. »Nur nachts darf man nicht zu viel Fantasie haben, wenn man draußen schläft, und ungewohnte Geräusche hört.«

Wichtigstes Utensil ist für Heindl die Landkarte, »aus Papier, um den Überblick zu behalten«. Zu Hause lassen könne man dafür getrost das Pflichtgefühl, etwas machen zu müssen. Losradeln und dabei loslassen ...

Vortrag am Dienstag in Traunstein

Der Vortrag »Urlaub ohne Flugzeug und Auto – Erfahrungen, Reiseberichte, Tipps für klimafreundliches Reisen« am Dienstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr im Campus Sankt Michael in Traunstein, widmet sich dem Thema nachhaltiges Reisen. Drei Referenten berichten von ihren Reisen per Bahn, Rad, zu Fuß oder mit Carsharing. Anmeldung unter office@campusstmichael.de oder Telefon 0861/166820.

vew