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»Atomwaffen verbieten« – Zwei Mahnwachen in Traunstein

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Traunstein: Zwei Mahnwachen von Greenpeace und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
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Greenpeace-Aktivisten forderten im Traunsteiner Stadtpark das Verbot und die Abschaffung von Atomwaffen. Zuvor hatte bereits der VVN die gleiche Forderung am Stadtplatz erhoben.

Traunstein – Gleich zwei Organisationen, nämlich Greenpeace und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Kreisverband Traunstein, gedachten mit Mahnwachen im Stadtpark und am Stadtplatz der Opfer der beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren.


»Manchmal ist Geschichte spürbar. So mag es sich auch für viele der Ehrenamtlichen angefühlt haben, die heute in ganz Deutschland an die Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren erinnert und den Opfern gedacht haben – so auch in Traunstein«, schreibt etwa Greenpeace-Pressesprecher Edmund Halletz.

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Vor 75 Jahren passierte das bis dahin Unvorstellbare: Am 6. August 1945 wurde die erste jemals eingesetzte Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen, am 9. August 1945 eine zweite auf Nagasaki. Bei den Angriffen starben laut Schätzungen mehr als 200.000 Menschen. Noch heute leiden die Menschen dort an den Spätfolgen der Atombombenabwürfe. Die Gräueltaten von damals sind tief in die Seele der beiden Städte und der japanischen Bevölkerung eingebrannt.

Ein Dreivierteljahrhundert ist eigentlich eine lange Zeit und doch haben die Atombombenangriffe von damals einen traurigen Bezug zur Gegenwart, so Halletz weiter. Die Bedrohung durch einen Atomkrieg im Jahr 2020 ist nach Einschätzungen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen so groß wie nie zuvor: Die »Doomsday Clock« (Weltuntergangsuhr) steht gerade einmal 100 Sekunden vor zwölf.

Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, haben Greenpeace-Ehrenamtliche mit Lichtaktionen und Mahnwachen in ganz Deutschland an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki erinnert und dabei auch an die Bundesregierung appelliert: »Deutschland kann jetzt wegweisend einen glaubwürdigen Beitrag für eine atomwaffenfreie Welt leisten, indem die Bundesregierung den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet.«

Denn obwohl von Deutschland vor dem Hintergrund seiner Historie nur noch Frieden ausgehen sollte, hat Deutschland sich im Rahmen der sogenannten erweiterten nuklearen Teilhabe verpflichtet, im Kriegsfall mit deutschen Piloten und Kampfjets in Deutschland gelagerte US-amerikanische Atombomben ins Ziel zu fliegen.

Mit einer Mahnwache auf dem Stadtplatz gedachte bereits zuvor auch der Kreisverband Traunstein der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen, 1946 von Überlebenden des Naziterrors gegründet und dem Engagement gegen Faschismus und Krieg verpflichtet – der Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Fast 80.000 Menschen verbrannten damals auf der Stelle, ähnlich wie beim Abwurf der zweiten Bombe auf Nagasaki drei Tage später. Noch Jahre später starben Menschen an den Folgen. Insgesamt waren laut Friedbert Mühldorfer von der VVN gar 250.000 Opfer zu beklagen.

Mit der Aufschrift auf einem großen Transparent »Atombombenabwurf vor 75 Jahren – Hiroshima mahnt: Atomwaffen abschaffen!« und einem Flugblatt machten die Veranstalter aber auch deutlich, dass der damalige Einsatz der Atombombe, mit dem der Zweite Weltkrieg endgültig zu Ende gegangen war, auch eine Verpflichtung für heute bedeutet. Denn anders als damals gehofft, habe sich der Kreis der Atommächte erweitert und werde gleichzeitig weltweit an der Weiterentwicklung dieser Waffen gearbeitet. Somit stelle die atomare Rüstung bis heute eine ungeheure Bedrohung für die Menschheit dar.

Auch in Deutschland lagerten Atomwaffen – im Rahmen der NATO, überdies gebe es Bestrebungen, neue atomwaffentaugliche Flugzeuge für die Bundeswehr anzuschaffen, so Mühldorfer weiter. Deshalb müsse auch Deutschland endlich den Vertrag der Vereinten Nationen (UN) aus dem Jahr 2017 über das grundsätzliche Verbot von Herstellung, Lagerung, Stationierung und Einsatz von Atomwaffen unterzeichnen, was bisher schon fast hundert Staaten gemacht hätten. Daneben forderten die Teilnehmer der Mahnwache auch den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland und den Verzicht auf atomwaffentaugliche Flugzeuge; mit entsprechenden Schreiben an die für den Landkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten könne das unterstützt werden.

Zum Schluss der Mahnwache kündigte die Traunsteiner VVN einen Brief an Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer und die Bürgermeister von Traunreut und Trostberg an; darin werden diese gebeten, der Vereinigung »Mayors for Peace« beizutreten. Sie wurde vom Bürgermeister von Hiroshima ins Leben gerufen, um weltweit Bürgermeister als Verantwortliche für das Leben der Bürger anzusprechen und für die Abschaffung aller Atomwaffen zu wirken. 7800 Städte und Gemeinden aus 163 Ländern haben sich bereits angeschlossen, in Bayern neben München, Nürnberg, Regensburg, Augsburg und vielen weiteren Orten auch die Gemeinden Chieming, Grassau, Obing, Surberg, Tittmoning und Übersee. fb