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Asylbewerber in Traunreut überfallen

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Traunstein – Drei Männer, bewaffnet mit einer Pistole und Baseballschlägern, drangen im April vergangenen Jahres in eine Wohnung in Traunreut ein und gingen auf mehrere Asylbewerber los. Zwei Flüchtlinge wurden verletzt. Vorausgegangen war ein Streit um Geld auf dem Rathausplatz. Die mutmaßlichen Täter – ein 18 Jahre alter Afghane aus Ruhpolding sowie ein gleichaltriger Deutschrusse und ein 29-Jähriger mit kasachischen Wurzeln aus Traunreut – sitzen seit auf der Anklagebank vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann.


Die Anklage von Staatsanwältin Martina Huber umfasst zahlreiche Vorwürfe, darunter besonders schweren Raub, Nötigung, Diebstahl mit Waffen, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Waffendelikte. Hintergrund der Taten waren offensichtlich Schulden eines Asylbewerbers in Höhe von 800 Euro bei dem 18-jährigen Afghanen. Die Beiden verabredeten sich zu einem Treffen auf dem Rathausplatz. Der Leihgeber erschien mit den beiden Mitangeklagten. Der 29-Jährige hatte die Pistole dabei. Der Afghane soll erklärt haben, seine Geldforderung sei jetzt an seine Freunde übergegangen. Der 29-Jährige soll dem Schuldner die Pistole an den Hals gesetzt und angekündigt haben: »Bis 21.30 Uhr will ich das Geld haben.« Sollte das nicht geschehen, werde er in die Wohnung kommen.

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Der Asylbewerber versuchte an jenem Abend vergeblich, den Betrag unter seinen Bekannten aufzutreiben. Gegen 22.30 Uhr trat das mit Pistole und Baseballschlägern bewaffnete Trio die Wohnungstüre des Schuldners in einem Mehrfamilienhaus ein, traf aber den Mann nicht an. Die Eindringlinge durchsuchten alles, entwendeten Verschiedenes wie einen Rucksack und vier Paar teure Schuhe im Gesamtwert von über 500 Euro.

Die Angeklagten gingen danach gemäß Staatsanwältin zu einem Einfamilienhaus, wo sie den Schuldner im Kreis weiterer Asylbewerber vorfanden. Der Wohnungsinhaber öffnete und flüchtete dann sofort, um die Polizei zu verständigen. In dem folgenden Tumult unter Einsatz von Waffen und Fäusten trugen der Schuldner und ein anderer Flüchtling erhebliche Verletzungen davon. Einer musste stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Außerdem demolierten die Täter in der Wohnung Teile des Mobiliars und nahmen zwei Handys im Wert von 800 Euro mit. Noch bevor die Polizei die Wohnung erreichte, konnten die Täter fliehen. Die Fahndung blieb zunächst erfolglos. Zwei Tage später klickten die Handschellen.

Der Prozessauftakt gestern verlief schleppend. Einer der Angeklagten zeigte sich in kleinen Teilen geständig, einer berief sich auf sein Recht zu schweigen, der Dritte kam erst spät zu Wort. Die Verteidiger – Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden, Michael Fraunhofer aus Trostberg und Josef Neuberger aus Neuötting – beantragten zweimal ein Rechtsgespräch mit der Jugendkammer und der Staatsanwältin über die rechtliche Einstufung der Taten und die zu erwartenden Strafen im Fall von vollständigen Geständnissen. Eine Einigung erfolgte nicht.

Der Afghane (18) wollte am Nachmittag gar nichts mehr sagen. Der zweite 18-Jährige behauptete, man habe untertags viel Alkohol getrunken sowie mehrfach größere Mengen Cannabis und Kokain konsumiert. Der 29-Jährige habe die Pistole nur »zur Einschüchterung« mitgenommen.

Bei dem Treffen am Rathausplatz sei zehn Minuten diskutiert worden. Der Schuldner sei laut geworden, habe Beleidigungen ausgestoßen und das Geld erst in acht bis neun Monaten zurückzahlen wollen. Der 18-Jährige wollte angeblich sogar »Ratenzahlung« offeriert haben – »damit wir wieder Alkohol und Drogen kaufen können«. Seine Version vom weiteren Geschehen, insbesondere zu seinem eigenen Tatbeitrag, wich ebenfalls deutlich vom Inhalt der Anklageschrift ab. Er sei vollgepumpt gewesen »mit Adrenalin, Kokain und Alkohol«, meinte der 18-Jährige. Verletzen habe er niemand wollen, gestohlen habe er gar nichts. kd

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