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Überschwemmungen fordern 600 Feuerwehr-Einsatzkräfte im Landkreis – Hunderte Notrufe

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Chiemgau: Unwetter sorgen für extreme Überschwemmungen – 160 Einsätze im Landkreis Traunstein
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Völlig überflutet wurde eine Anliegerstraße im Waginger Ortsteil Tettenhausen (Bild links). In Fridolfing (rechtes Bild) liefen über Nacht mehrere Keller voll. Der Rupertiwinkel ist nach Angaben der ILS Traunstein am stärksten von den Unwettern getroffen worden. (Foto-Montage: l. Screenshot/Facebook; r. Huber)
Chiemgau: Unwetter sorgen für extreme Überschwemmungen – 160 Einsätze im Landkreis Traunstein
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Viele Straßen im Gemeindegebiet von Taching am See (unser Bild) und andererorts im Landkreis wurden in der Nacht auf Montag von Wassermassen überflutet. (Foto: Kreisfeuerwehrverband Traunstein)

Landkreis Traunstein – Die Unwetter am vergangenen Abend und der langanhaltende Regen über die Nacht sorgen vielerorts in Bayern für Überschwemmungen. Auch die Region wurde stark getroffen: Bäche, Flüsse und Seen treten über die Ufer und sorgen zum Teil für massive Überflutungen auf Straßen und in Wohngebieten.


Überflutete Keller, umgestürzte Bäume, überschwemmte Straßen und rund 200 Notrufe innerhalb von drei Stunden hielten am Sonntagabend die Feuerwehren im Landkreis im Atem. Ein heftiges Gewitter mit Starkregen und Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern war von Westen über den Chiemsee und die Landkreismitte in Richtung Österreich gezogen und hinterließ in einem nur wenige Kilometer breiten Streifen eine Spur der Verwüstung.

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Rund die Hälfte der 80 Feuerwehren im Landkreis waren im Einsatz, teilweise die ganze Nacht über, bis in den Montagvormittag. Dagegen war es südlich der Autobahn A8 und auch im nördlichen Landkreis ruhig. Dort war von dem heftigen Unwetter kaum etwas zu spüren.

Kurz nach 20 Uhr begann der Einsatzmarathon für die Feuerwehren. Beginnend in Chieming, Hart und Nußdorf wurden die Wehren von Westen nach Osten, entsprechend der Linie, die das Unwetter genommen hatte, alarmiert. »Baum auf Fahrbahn, Wasser im Keller, Gebäude in Gefahr, Straße unter Wasser« – das waren die Alarmstichworte mit denen die Feuerwehren zum Einsatz gerufen wurden.

Alle Fotos aus dem Landkreis:

Besonders hart getroffen hatte es die Gemeinden Taching am See und Fridolfing. Dort gab es so viele Notrufe und Hilfeersuchen, dass die örtlichen Feuerwehren mit der Abarbeitung der Unwetterschäden alleine nicht fertig geworden wären. Die örtlichen Einsatzleiter forderten Unterstützung an und Wehren aus den Nachbargemeinden, die von dem Unwetter kaum oder überhaupt nicht betroffen waren, rückten zur Unterstützung an.

Allein im Zuständigkeitsbereich der Feuerwehr Taching waren fast 60 Einsätze zu erledigen. Im Waginger Ortsteil Tettenhausen wurde eine Anliegerstraße durch die extremen Regenfälle vollständig überflutet, mehrere Keller liefen voll und zahlreiche Gegenstände wurden von den Wassermassen mitgerissen.

Chiemgau: Unwetter sorgen für extreme Überschwemmungen – 160 Einsätze im Landkreis Traunstein
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In Fridolfing liefen über Nacht mehrere Keller voll. (Foto: Huber)

Nicht minder umfangreich war das Einsatzaufkommen in der Gemeinde Fridolfing. Dort waren es auch mehr als 60 Einsatzstellen, zu denen die Feuerwehr ausrückte. In Fridolfing wurde im Feuerwehrgerätehaus die Führungsstelle Salzach aktiviert. Von dort wurden alle Einsätze im östlichen Landkreis – im Inspektionsbereich »Traunstein Land 3« koordiniert.

Die Ortsmitte von Zweckham bei Traunreut war rund 40 Zentimeter hoch überschwemmt, die Straßen dort unpassierbar. Die Feuerwehr Traunwalchen sperrte den Bereich und pumpte das Wasser ab. Dort kam die Feuerwehr Kammer zu Hilfe, um die Überflutung schnellstmöglich zu beheben. Auch anderorts mussten Straßen zeitweise bis zum Montagmorgen gesperrt werden, so zum Beispiel die Kreisstraße TS 28 zwischen Törring und Hohenbergham. Bei Langwied war die Fahrbahn 30 Zentimeter hoch überflutet.

Chiemgau: Unwetter sorgen für extreme Überschwemmungen – 160 Einsätze im Landkreis Traunstein
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Viele Straßen im Gemeindegebiet von Taching am See (unser Bild) und andererorts im Landkreis wurden in der Nacht auf Montag von Wassermassen überflutet. (Foto: Kreisfeuerwehrverband Traunstein)

Straßen waren nicht nur durch umgestürzte Bäume oder abgerissene Äste blockiert, durch den Starkregen wurden auch Geröll und Erdreich auf die Straßen gespült und es gab für die Autofahrer kein Durchkommen mehr. An mehreren Einsatzstellen musste die Feuerwehren Fahrzeuge sichern, die in den Wassermassen feststecken. An zahlreichen Gebäuden im gesamten Einsatzgebiet mussten die Floriansjünger mit Sandsäcken Dämme bauen, um Wasser abzuleiten und das Eindringen in Gebäude zu verhindern. Auch Dächer waren zu sichern, dort wo die Orkanböen gewütet hatte. 

Gesperrt wurde auch die Bahnlinie zwischen Mühldorf und Freilassing. Bei Götzing (Fridolfing) war das Bahngleis überflutet und unterspült. Mancherorts gab es in Wohnsiedlungen kein einziges Gebäude, das nicht von einem Wasserschaden betroffen war. »Die Siedlung säuft ab« – hieß es in Holzhausen (Waging). In der Schlossbergstraße wurden Kellerfenster von den Wassermassen eingedrückt. Teilweise standen Keller bis zu einem Meter unter Wasser. Im Keller eines Neubaus in Fridolfing stürzten massive Tragwände ein, da dort gelagerte Pellets vom Wasser aufgequollen waren.

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Wassermassen bei Taching mussten umgeleitet werden, damit sie keine größere Gefahr für Gebäude wurden. Foto: Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Nun muss die Tragfähigkeit des Gebäudes geprüft werden. Aus Pietling wurde ein Hangrutsch im Bereich der Bergstraße gemeldet; die Feuerwehr konnte deshalb nicht sofort zu ihren Einsatzstellen gelangen. In der Gemeinde Nußdorf musste der Strom für rund 30 Minuten abgeschaltet werden. Ein Baum war in eine Freileitung gefallen. Damit die Feuerwehr den Baum gefahrlos herausschneiden konnte, wurde der Strom kurzzeitig abgeschaltet. Auch in Taching kam es zu einem großflächigen Stromausfall. Dort musste die Feuerwehr in einigen Gebäuden Öltanks sichern, die durch eingedrungenes Wasser aufgeschwemmt wurden und die Gefahr eines Auslaufens der Tanks zu verhindern. Besonders betroffen war auch ein Alten- und Pflegeheim in Taching, wo der Keller komplett überflutet war.

Vorrangig benutzte Gerätschaften der Feuerwehren waren Pumpen und Schmutzsauger, um Wasser aus überfluteten Kellern abpumpen zu können, ebenso Motorsägen, mit denen umgestürzte Bäume zerlegt und so Straßen und Wege wieder befahrbar gemacht wurden.

Insgesamt waren am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag rund 600 Feuerwehrkräfte im Einsatz, um Unwetterschäden zu beseitigen und die viele Hilfeersuchen der betroffenen Menschen abzuarbeiten. Rund 350 Einsätze wurden erledigt. Die meisten Wehren konnten ihre Arbeit am Montag früh bis zum Morgengrauen beenden. In der Gemeinde Fridolfing waren die Wehren jedoch auch noch den ganzen Montag über mit Aufräumungsarbeiten zur Beseitigung der Unwetterschäden unterwegs. Verletzt wurde nach ersten Informationen der Feuerwehr-Einsatzleitung niemand. Die Höhe der Sachschäden, die durch das Unwetter entstanden sind, lässt nicht noch nicht abschätzen. pv/red

Vorbericht bis Montagmittag:

Allein seit Sonntagabend verzeichnen die Feuerwehren im Landkreis Traunstein rund 200 Einsätze – bis in die Morgenstunden waren es schon 160, so die Mitteilung eines Feuerwehrsprechers gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Die ersten Notrufe wegen vollgelaufener Keller gingen bereits am Sonntagabend bei der Integrierten Leitstelle in Traunstein ein.

ILS personell verstärkt

Auch die Integrierte Leitstelle hat ihre personelle Situation aufgrund der erhöhten Notruf- und Einsatzsituation in den späten Abendstunden umgehend verstärkt. Nach eigenen Angaben gibt es in Notlagen und bei unvorhersehbaren Ereignissen keine feste Rufbereitschaft für das ILS-Personal. »Sämtliche Kolleginnen und Kollegen kommen also freiwillig aus deren Freizeit in die ILS, um zu unterstützen. Die Alarmierung erfolgt hierbei über den sogenannten Telefonalarmserver der ILS. Hier erhalten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen automatisierten Anruf von der Leitstelle – über eine Tastenkombination kann dann ein Erscheinen bestätigt werden. Dem diensthabenden Schichtführer in der ILS wird der Status der Rückmeldungen fortlaufend signalisiert. Flankiert wird das Nachbesetzungssystem von einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe«, so die ILS auf ihrer Facebook-Seite.

Am stärksten traf es die Gemeinden Fridolfing und die Ortsteile rund um den Waginger und Tachinger See. Hier wurden den Einsatzkräften bis in die Morgenstunden mehrere vollgelaufene Keller gemeldet.

Aus einigen anderen Gemeinden wurden umgefallene Bäume gemeldet. Zudem liefen mehrere Unterführungen voll. In den Bereichen mussten einzelne Gemeindestraßen teilweise über mehrere Stunden hinweg gesperrt werden. Verletzte soll es glücklicherweise nach ersten Informationen nicht gegeben haben.

Einen ausführlichen Bericht über das Einsatzgeschehen im Landkreis lesen Sie am Nachmittag hier bei uns.

In einem weiteren Video, das ein Leser auf Facebook stellte, ist eine schwere Gewitterfront nördlich des Waginger Sees zu sehen. »Was für eine brachiale Zelle«, schreibt er und stellte mehrere Bilder von entwurzelten Bäumen dazu.

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Das Foto zeigt mehrere entwurzelte Bäume nördlich des Waginger Sees. Hier haben die Unwetter von letzter Nacht besonders gewütet. (Foto: Facebook/Florian Sabo)

Auch am Chiemsee wütete das Wetter und sorgte hier für umgestürzte Bäume und einen erhöhten Wasserpegel. Unsere Bilder zeigen eine Gewitterzelle am Sonntagabend über dem Chiemsee und abgeknickte Bäume an der Staatsstraße kurz vor Chieming.

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Umgeknickte Bäume an der Staatsstraße bei Chieming. Foto: Hohler
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Eine Gewitterfront zog am Sonntagabend über den Chiemsee. (Foto: Bernd März/dpa)

Start in die neue Woche beginnt mit viel Regen

Gewitter und viel Regen begleiten den Wochenstart in Bayern. Vor allem im Süden erwartet der Deutsche Wetterdienst Dauerregen, der bis Mittag anhalten soll. Am Nachmittag kann es mancherorts auflockern, in weiten Teilen des südlichen Freistaats bleibt es aber regnerisch mit Schauern oder Gewittern. Die Höchsttemperaturen liegen bei 24 Grad. In der kommenden Nacht soll der Regen dann nachlassen, die Temperaturen sinken auf 14 bis 8 Grad.

Am Dienstag soll es dann wieder trocken werden, auch die Sonne soll sich blicken lassen.

red