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40 Jahre im Traunsteiner Stadtrat, 30 Jahre im Kreistag: »Das war eine spannende Zeit«

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Traunstein: 40 Jahre im Stadtrat, 30 Jahre im Kreistag: Wiesholler-Niederlöhner hört auf
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Eine Ära geht zu Ende: Traudl Wiesholler-Niederlöhner hört nach 40 Jahren als Stadträtin, 24 Jahren als dritte Bürgermeisterin und 30 Jahren als Kreisrätin auf. (Foto: Montage; l. privat, r. Eva Schneider/Stadt Traunstein)

Traunstein – Sie ist aus dem politischen Traunstein eigentlich nicht wegzudenken: Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. 40 Jahre saß sie im Traunsteiner Stadtrat, 24 Jahre war sie dritte Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt und 30 Jahre vertrat sie die SPD im Kreistag. Nun verabschiedet sie sich von der kommunalpolitischen Bühne ohne Wehmut. »Es ist an der Zeit, dass andere die Geschicke übernehmen«, sagt sie im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Langweilig wird der umtriebigen 71-Jährigen aber sicher nicht.


Traudl Wiesholler-Niederlöhner ist Mitglied in 19 Vereinen. »Da will ich mich auch weiterhin aktiv einbringen«, sagt sie. Außerdem hilft die 71-Jährige auch künftig bei der Traunsteiner Tafel mit, denn die Arbeit liegt ihr besonders am Herzen. »Hektik und Stress haben mich nie gestört. Aber ich freue mich jetzt darauf, einfach mal ich selbst zu sein, Dinge auf mich zukommen zu lassen«, sagt sie.

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Vor allem ihr Freundeskreis habe unter ihrem politischen Engagement gelitten. »Die mussten sich immer nach mir richten. Das soll jetzt anders werden«, sagt die dritte Bürgermeisterin und lacht. Diesen Donnerstag hat sie nach 40 Jahren im Stadtrat ihre letzte Sitzung. Da schwingt doch bestimmt auch Wehmut mit? »Nein. Mein weinendes Auge hält sich wirklich in Grenzen. Ich habe mich ja bewusst dafür entschieden, dass es jetzt reicht. Anders wäre es vielleicht, wenn ich abgewählt worden wäre.«

Traudl Wiesholler-Niederlöhner war am 11. November 1980 für Hermann Schätz in den Stadtrat nachgerückt, der damals in den Bundestag wechselte. »Ich war 36 Jahre Referentin für das städtische Grün und den Waldfriedhof. Dieser gehört zu den schönsten Friedhöfen in ganz Deutschland«, betont sie und ergänzt, dass die Stadtgärtnerei mit ihren Mitarbeitern »für ein blumiges Wohlgefühl« in der Stadt sorge. Für die 71-Jährige ist es rückblickend auch »die größte Enttäuschung, dass die Landesgartenschau nicht gekommen ist«. Das könne sie bis heute nicht verstehen. »Mir ist einfach nicht klar, wieso man gegen so etwas sein kann«, sagt Traudl Wiesholler-Niederlöhner mit einem Kopfschütteln.

Sie hat in ihrer langen Zeit im Stadtrat mit vier verschiedenen Oberbürgermeistern »mit ganz unterschiedlichen Charakteren« zusammengearbeitet – Rudolf Wamsler, Fritz Stahl, Manfred Kösterke und Christian Kegel. »Das war eine spannende Zeit und wir haben viel erreicht für die Stadt«, betont Traudl Wiesholler-Niederlöhner. Die Zusammenarbeit im Stadtrat beschreibt sie als »sehr gut«. Natürlich sei man auch mal sauer gewesen, »aber wir sind uns immer auf Augenhöhe begegnet.«

Am Beispiel des barrierefreien Umbaus des Traunsteiner Bahnhofs macht sie deutlich, dass einige Projekte auch viel Zeit und Geduld bräuchten – drei verschiedene Oberbürgermeister beschäftigten sich mit dem Thema. »Unter Oberbürgermeister Christian Kegel konnte der barrierefreie Bahnhof dann eingeweiht werden. Das hat mich sehr gefreut, denn der Umbau war dringend nötig«, betont die 71-Jährige, die den Kontakt zu den Bürgern als das Wichtigste in der Kommunalpolitik bezeichnet.

»Mir war es immer egal, wann ich angerufen werde – ob morgens, abends oder am Wochenende. Ich wollte für jeden immer ansprechbar sein.« Das galt nicht nur für die Stadtpolitik, sondern auch für alle Fragen in Bezug auf den Landkreis. Denn 30 Jahre war Waltraud Wiesholler-Niederlöhner für die SPD im Kreistag, davon 18 Jahre als Fraktionsvorsitzende. Dabei sei die soziale, ökologische und ökonomische Entwicklung des Landkreises »ein wichtiger Grundsatz für meine Fraktion« gewesen, betont Traudl Wiesholler-Niederlöhner, die 1990 Kreisrätin wurde.

Besonders stolz ist sie darauf, dass sich die SPD-Fraktion erfolgreich gegen den Verkauf der landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft gestellt habe. »Heute spielt sie im Landkreis eine wesentliche Rolle«, betont sie. Außer Frage stand für die Sozialdemokratin auch immer, dass die Kliniken in kommunaler Trägerschaft bleiben müssen. Sie blickt auch hier positiv zurück auf 30 Jahre Kreistag: »Die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen war geprägt von gegenseitiger Achtung und dem Willen, gemeinsam für die Bürger des Landkreises etwas zu erreichen.« KR