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»Burghofserenade – festlich und heiter« in Tittmoning

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Die in verschiedenen Farben angestrahlten Burgmauern sorgten neben dem lauen Sommerabend zusätzlich für Flair beim Musiksommerkonzert in Tittmoning. (Foto: Plützer)

Schöner hätte ein Sommerabend wohl kaum sein können. »So ein romantischer Burghof ist einmalig und ich bin froh, dass der Musiksommer hier immer wieder Station macht«, freute sich Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner, als er das zahlreiche Konzertpublikum begrüßte.


Der »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« hat es sich zur Aufgabe gemacht, besondere Spielstätten in sein Programm aufzunehmen und so zusätzlich zu hochkarätigem Konzertvergnügen auch mit einem ganz besonderen Ambiente zu verführen. Ein Konzept, das an diesem herrlichen Abend auf der Burg in Tittmoning wahrlich aufging. Für den musikalischen Genuss sorgte »Chiemgau Brass« – zehn Blechbläser unter der Leitung von Georg Holzner aus Traunstein.

»Burghofserenade – festlich und heiter« war das Konzert übertitelt. Und festlich begann es mit dem Einzug der zehn Musiker, ihren güldenen Instrumenten von groß bis klein, und Tänzen aus der Renaissance. »Old french Dances« von Claude Gervaise standen auf dem Programm. »Tanz in der Zeit der Renaissance diente dazu, zu zeigen, wie gewandt und anmutig man war. Und vor allem die Pavane war dazu geschaffen, dass sich vor allem die Frau mit allem zeigen konnte, was sie ausmachte«, erzählte Holzner. Seine informativen Einführungen und lustigen Einwürfe bildeten einen sehr charmanten und unterhaltsamen Rahmen. Das Publikum dankte es mit bester Laune und viel Applaus.

»Unsere Rache an Mozart«, kündigte er gleich den zweiten Programmpunkt an – Don Ottavios berühmte Arie aus Don Giovanni, umgesetzt für zehn Blechbläser! Trompete statt Gesang, Posaune statt Geige. »Mozart hat nie etwas eigenes für Trompete komponiert und Blechbläser nur als Orchesterverstärkung eingesetzt«, erläuterte Holzner. Wie unrecht er diesen vielseitigen Instrumenten damit tat, das bewies nun Chiemgau Brass. Wobei man zu Mozarts Ehrenrettung wohl sagen muss, dass die technische Ausreifung zu seiner Zeit noch nicht so fortgeschritten war.

Auch der Psalm aus dem Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy, »Denn er hat seinen Engeln befohlen«, bot eine ganz neue Hörerfahrung mit dieser Instrumentierung. Aber eine wirklich schöne und hörenswerte! Wer Blechbläser in Bayern bisher nur mit traditioneller Blasmusik oder mit Jazz pur verband, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt: Sie können tatsächlich alles! Dieses Programm von »Chiemgau Brass« deckte eine faszinierende Bandbreite ab und bot ein buntes Potpourri der Musikgeschichte, bei dem auch Georg Friedrich Händel nicht fehlen durfte. Das Bläserensemble brachte das Andante Allegro aus seinem Concerto Grosso.

Ein slawischer Tanz von Antonin Dvorak allerdings ohne den gewohnten streichergeprägten Orchesterklang? Na ja, manches ist eben Geschmackssache. Beruhigend jedenfalls, dass die Trompete die Mauern der Burg letztlich nicht zum Einsturz brachte mit »Joshua fit the battle of Jericho«, the walls came not falling down, obwohl das Solo von Georg Holzner wirklich erschütternd schön war.

Somit war der Bogen zur Moderne geschaffen und der zweite Teil des Abends gehörte dem Jazz und der Swing-Musik. »Chiemgau Brass« präsentierte sich hier als kammermusikalische Big Band vom Feinsten. Gelegenheiten für viele schöne Solos – wie das von Trompeter Rupert Eder mit »Send in the clowns« von Roger Harvey oder Posaunen-Klängen zum Dahinschmelzen mit Dr. Bernhard Frey und dem Paradestück »I´m getting sentimental over you«.

21 Blechblasinstrumente für 10 Musiker – vor allem die Trompeter hatten viel zu tun an diesem Abend beim Wechsel zwischen Piccolo-, Konzert- oder Jazztrompete. Auch Symbiosen können da entstehen, wie die zwischen dem Waldhorn von Philipp Dufter, das für »Tico Tico« von John Iveson zum Schalltrichter für die Trompete von Lorenz Birnbacher wurde. Bei all dem komplexen Blechklang (insgesamt vier Trompeten, zwei Waldhörner, drei Posaunen und eine Tuba) durfte aber doch bei vielen Stücken ein Schlagwerk im Hintergrund nicht fehlen – perfekt in time mit Dirk Bennert, Schlagzeuglehrer an der Musikschule Traunstein, die Georg Holzner leitet.

»'Singing in the rain' haben wir zum Abschluss auf das Programm gesetzt, als Omen, weil wir dachten, dann regnet es garantiert nicht«, scherzte Holzner am Ende dieses perfekten Abends – der natürlich nicht ohne Zugaben enden durfte. Und ohne einen Tropfen Regen, versteht sich. Petra Plützer