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Ortskernsanierung von Siegsdorf in der Kritik: Ideen »sehr überschaubar«

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Foto: Symbolbild, pixabay

Siegsdorf – Mit den von der Gemeinde bislang angestellten Planungen für eine Sanierung des Ortskerns Siegsdorf sind die Gewerbetreibenden nicht einverstanden. In der Herbstversammlung des Gewerbeverbunds äußerte Vorsitzender Dr. Jürgen Leikert deutliche Kritik. Die bislang vom eingeschalteten Büro präsentierten Ideen seien »sehr überschaubar«, sagte er. Die Gemeinde fasst eine Ortskernsanierung im Dreieck Bahnhofs-, Ruhpoldinger- und Hauptstraße sowie Standort Kardinal-von-Faulhaber-Platz ins Auge.


Leikert berichtete besonders über die laufenden Planungen zur möglichen Nutzung der weit über 10.000 Quadratmeter brachliegenden, zentrumsnahen Flächen nördlich des Feuerwehrhauses und zwischen Bahnhofs- und Ruhpoldinger Straße. Demnächst solle ein Bebauungsplan für dieses große Areal mitten im Ortskern aufgestellt werden.

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Der Vorsitzende zeigte sich generell von dem bisherigen Planungsvorgehen, der bislang einzigen Variante und den »sehr überschaubaren Ideen« des beauftragten Büros aus München »sehr besorgt« – umso mehr, nachdem ein von der Gemeinde Ende Oktober initiierter Bürgerworkshop zur Ortskerngestaltung mit dem Planungsbüro »sehr enttäuschend« verlaufen sei. Viele Fragen und Einwände der rund 70 teilnehmenden Bürger seien unbeantwortet beziehungsweise unkommentiert geblieben. Auch zur dringend nötigen Verkehrsberuhigung im Ort gäbe es noch kein schlüssiges Konzept.

Enttäuschung und Unverständnis herrschten auch unter den rund 30 anwesenden Vertreter von Mitgliedsfirmen des Gewerbeverbundes über das bisherige Planungsverfahren dahingehend, dass die Gemeinde bei einer derart großflächigen und den Ortskern für die nächsten 50 Jahre markant prägenden Neugestaltung keine wesentlich umfassendere Ideensammlung von allen Beteiligten sowie mehrere Vorschläge verschiedener Planungsbüros als Diskussionsgrundlage einhole.

Wichtige Parkplätze sollen wegfallen

Auch Leikert war darüber negativ verwundert und berichtete über nach Ansicht des Gewerbeverbunds weitere gravierende Mängel der kürzlich offiziell vorgestellten Variante des Münchner Planungsbüros. Diese seien unter anderem die geplante Streichung von circa 50 wichtigen zentrumsnahen Parkplätzen und die Nichtberücksichtigung der Nahversorgung, welche gerade für Senioren beziehungsweise in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen sowie generell aus ökologischen Gründen verbessert werden sollte. Es sei dem Gewerbeverbund bewusst, dass die vorgestellte Version nur eine Planungsvariante sei, dennoch sei diese als Basis für Diskussionen enttäuschend, man vermisse Alternativen.

Leikert verlieh in der Herbstversammlung der großen Sorge vieler Mitglieder Ausdruck, indem er seine naheliegenden Befürchtungen äußerte, dass die derzeitigen Vorstellungen des Planungsbüros den Siegsdorfer Ortskern deutlich schwächen würden, den Anwohnern, Bürgern, Kunden und Gästen dadurch keinerlei Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Ort brächten sowie die Ansiedlung beziehungsweise das Fortführen gerade kleinerer Dienstleister und Geschäfte im Ortskern unattraktiv bis unmöglich machen würden. Man glaube auch nicht, dass so erreicht werden kann, dass die Hausbesitzer ihre überwiegend in die Jahre gekommenen Häuser entlang der Hauptstraße sanieren.

Bereits jetzt sei absehbar, dass mit der Postfiliale und zwei weiteren Geschäften im Ortszentrum in absehbarer Zeit drei weitere Nahversorger aufgeben werden. Eigentlich müssten nicht erst jetzt sämtliche Alarmglocken längst auch beim Planungsbüro und vor allem im Siegsdorfer Rathaus schrillen, meinte Leikert. In diesem Zusammenhang waren sich die anwesenden Mitgliedsfirmen einig, dass die von der Gemeinde favorisierte ortskernnahe Ansiedlung eines auf Baugenehmigung drängenden Steuerbüros mit rund 40 Mitarbeitern entgegen der Aussage des Bürgermeisters für Siegsdorf keinen messbaren Vorteil habe. Bei bald 9000 Einwohnern und bereits deutlich über 3000 Arbeitsplätzen gäbe es gänzlich andere Nutzungskonzepte, von denen Siegsdorf und seine Bürger, der Ortskern und die kleineren bestehenden Geschäfte mehr profitieren.

Der Gewerbeverbund hoffe aber weiterhin, so Leikert, dass die Gemeinde ihren Auftrag zur Sicherung und Förderung der örtlichen Nahversorgung in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten konstruktiv und offensiv angeht. Die Gemeinde habe mittlerweile Gespräche angeboten. Der Gewerbeverbund stehe mit seinem Wissen und Ideen jederzeit gerne für konstruktive Gespräche zur Verfügung, versprach der Vorsitzende. fb