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100 Jahre Gemeinderatserfahrung scheiden aus

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Siegsdorf: Gemeinderat verabschiedete acht bisherige Gemeinderäte – Abschiedsfeier nach Corona
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Das Bild zeigt einen Blick in den Siegsdorfer Festsaal, der genügend Platz für die notwendigen Abstandsregeln und auch die wenigen Zuhörer bot. (Foto: Krammer)

Siegsdorf – Zum Abschluss der letzten Gemeinderatssitzung in dieser Wahlperiode verabschiedete Bürgermeister Thomas Kamm in kurzen, aber herzlichen Worten acht ausscheidende Gemeinderatsmitglieder. Zusammengerechnet kommen sie auf genau 100 Jahre Gemeinderatserfahrung.


Dienstältester Gemeinderat mit 30 Jahren Zugehörigkeit ist Dr. Lothar Seissiger (UW), der in den fünf Gemeinderatsperioden seit 1990 638 Gemeinderats- und Ausschusssitzungen absolvierte. »Deine fachliche Expertise war immer gefragt, deine scharfe Zunge nicht immer beliebt«, stellte Kamm augenzwinkernd fest, und dankte seinem Fraktionskollegen für drei Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement.

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Zwei Perioden, also 12 Jahre, gehörte Stefan Eisenbichler (UW) dem Gremium an. Er hat in dieser Zeit in 438 Sitzungen und vielen weiteren Terminen sein Wissen als Bau- und Energie-Fachmann eingebracht. Das Gleiche gilt für seinen Fraktionskollegen Heinz Kecht, der in 12 Jahren und 412 Sitzungen vor allem als Tiefbau- und Entsorgungsfachmann viel Fachwissen einbrachte.

Ebenfalls 12 Jahre lang brachte Alfred Überegger (CSU) in 405 Sitzungen seine Erfahrung als Bauhofmitarbeiter und Vereinsvorstand in die Gemeinderatsarbeit ein. »Du hast den oft schwierigen Spagat zwischen der Arbeit als Mitarbeiter im Wasserwerk und der Arbeit als Gemeinderat bestens gemeistert«, lobte Kamm und gab dieses Lob auch an Stephan Untermeier (CSU) weiter, der nach vier Jahren Gemeinderatsarbeit (87 Sitzungen) das Gremium wieder verlässt.

Alexander Klammer (UW), beruflich als Personalchef in der Marktgemeinde Prien im Einsatz, stellte seine Erfahrung in Verwaltungs- und Personalangelegenheiten 12 Jahre lang und in 347 Sitzungen zur Verfügung, und seine Fraktionskollegin Sandra Steiner gehörte dem Gremium 6 Jahre lang an und hat sich in 118 Sitzungen besonders im sozialen Bereich engagiert.

Abschließend hob Kamm noch die unbezahlbare Arbeit von Karin Neumann (Bündnis90/Die Grünen) hervor, die aus familiären Gründen verhindert war. Neumann hat sich als Gemeinderätin nicht nur in 292 Sitzungen engagiert, ihr besonderes Anliegen war und ist die Jugendarbeit.

Als gemeindliche Jugendbeauftragte hat sie in den letzten 12 Jahren unglaublich viel Zeit in die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen investiert und sich dankenswerter Weise bereit erklärt, das verantwortungsvolle Amt der Jugendbeauftragten auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Gemeinderat weiter zu übernehmen.

»Ich bedanke mich bei Euch allen für die kollegiale Zusammenarbeit, die fachkundigen Diskussionen und das kooperative Miteinander während Eurer Zeit als Gemeinderäte«, lobte Kamm die scheidenden Ratsmitglieder und wünschte sich: »Dass ihr euch weiterhin für das Gemeindegeschehen engagiert, die Gemeinde, wenn nötig, auch künftig auf euere fachlichen Expertisen zurückgreifen kann und dass ihr alle auch in diesen nicht ganz einfachen Krisenzeiten gesund bleibt«.

Mit einem kurzen Rückblick auf die wesentlichen Projekte der letzten sechs Jahre brachte Kamm dann noch einmal einige Diskussionspunkte in Erinnerung. Er erwähnte besonders die Umwandlung des Bayernparks in Hörgering in das Baugebiet »Augraben« mit Schaffung von Bauland für Einheimische und Familien, den Kauf des Marienheims in Eisenärzt und der Nutzung als Asylbewerber-Unterkunft und den Erwerb von Grundstücken wie etwa das »Glockner-Anwesen« für die weitere Entwicklung des Ortskerns.

Die Erweiterung des Gewerbegebiets »Gastager Feld« war für die positive Entwicklung des Gewerbes ebenso notwendig wie der Anstoß von mehreren Bauleitplanverfahren, die zahlreiche Erweiterungen und Bauvorhaben in der Gemeinde ermöglichten.

Die Ausweitung der Betreuungsangebote in Kinderkrippen und Kindergärten forderte Gemeinderat und Verwaltung ebenso wie die Schaffung von Betreuungsangeboten an der Schule mit der »OGS« (offene Ganztages-Schule), aber auch zahlreiche Straßenbaumaßnahmen mit vielen unangenehmen Überraschungen (wie etwa an der Molbertinger- und Ruhpoldinger Straße) und die fortlaufende Sanierung des Kanalnetzes. Nicht zuletzt waren die Gemeinderäte mit der Vorbereitung der derzeitigen Großprojekte wie Schule, Turnhalle oder Kindergarten Eisenärzt mit einem Investitionsvolumen von über 16 Millionen Euro gefordert.

»Eigentlich wäre unser 'Aufzug' mit den großen Abständen und den Masken vor den Gesichtern zum Lachen, wenn der Anlass nicht so ernst wäre«, schloss Kamm die letzte Sitzung der Periode 2014 bis 2020 und versprach den ausscheidenden Ratsmitgliedern einen würdigen Abschluss im Kreise des bisherigen Gremiums, sobald die äußeren Umstände und die gesetzlichen Auflagen ein solches Treffen wieder zulassen. FK