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Ein Abend in New York mit feinen Klängen

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Bestens unterhalten wurden die Besucher bei der Multi-Media-Performance »Ein Abend in New York« in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Sie bekamen von Rachelle Garniez und Thorsten Jüttner nicht nur feine Musik zu hören, sondern tauchten auch in eine faszinierende Familiengeschichte des Autors und Erzählers Ulrich Balß (mit Baskenmütze) ein. (Foto: Müller)

Unter dem Titel »Ein Abend in New York« stand die eindrucksvolle Multimedia-Performance der New Yorker Multiinstrumentalistin, Sängerin und Entertainerin Rachelle Garniez und des Bremer Gitarristen Thorsten Jüttner, der für Mark Ettinger eingesprungen war, sowie des Bremer Musikproduzenten, Autors und Erzählers Ulrich Balß in der Theater-Strickerei Grabenstätt.


Mit klangvollen New-York-Liedern und historischen Fotos und Schriftstücken unternahmen sie eine spannende Zeitreise in die »Golden Twenties« des letzten Jahrhunderts, genauer gesagt in die Jahre 1928 und 1929, in denen Balß’ Großvater Theodor Trampler für rund 15 Monate von Leipzig nach New York ausgewandert war und seine Erlebnisse im »Big Apple« mit seiner Kamera festgehalten und in vielen Tagebuchbriefen dokumentierte hatte.

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Nur mit einem Fahrrad und einer Kamera ausgestattet war der arbeitslos gewordene Leipziger Buchbinder am 4. Januar 1928 mit dem Passagierschiff »Berlin« von Bremerhaven nach New York aufgebrochen, um dort Geld für seine Familie in Leipzig zu verdienen. Am Rande von Manhattan wohnend, habe er immer wieder mit dem Gedanken gespielt, diese für eine bessere gemeinsame Zukunft nachkommen zu lassen, verriet Balß. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Balß war Teenager, als sein Opa starb. Er hatte nie mit ihm über dessen New York-Aufenthalt geredet. Erst eine Kiste aus dem Nachlass seiner 2015 verstorbenen Mutter eröffnete ihm Einblicke in das ihm bis dahin verschlossene Kapitel der Familiengeschichte. Zu Gesicht bekam er nicht nur Fotos seines Großvaters, sondern auch all die sehnsuchtsvollen Briefe, die dieser aus Amerika an seine Frau in Leipzig geschrieben hatte. Balß war davon so fasziniert, dass er sich umgehend in die Recherchearbeit stürzte. Auf den Spuren seines Opas wandelnd reiste er auch selbst nach New York und besuchte auch viele Örtlichkeiten, die dieser einst fotografisch festgehalten hatte. Der Wandel der Zeit wurde dabei sehr deutlich.

Was Balß kaum glauben konnte: Ein Foto, das sein Opa vor über 90 Jahren geschossen hatte, ziert noch heute eine bei Touristen sehr beliebte Ansichtskarte. Sein Großvater war damals nämlich auch als Fotograf tätig. Bei seiner Spurensuche lernte Balß sogar Nachfahren von dessen amerikanischen Freunden und Bekannten kennen, die in deren Familienarchiven auf weitere »Schätze« stießen.

Rachelle Garniez, die zu den besten Sänger- und Songwriterinnen New Yorks zählt, begeisterte in Grabenstätt mit ihrer virtuosen Stimme und als außergewöhnliche Multi-Instrumentalistin. Zu hören bekamen die Besucher eine feine Auswahl aus über 2000 New-York-Musiktiteln sowie eigene Kompositionen von Garniez und Erik Della Penna, beispielsweise über das Starrluftschiff LZ 127 Graf Zeppelin, das am 11. Oktober 1928 im deutschen Friedrichshafen zur ersten interkontinentalen Fahrt nach Amerika aufbrach und am 15. Oktober 1928 in Lakehurst bei New York eintraf. Der ersehnte Schnappschuss sei seinem Großvater dort leider nicht geglückt, da sich der Zeppelin deutlich verspätet habe, so Balß. Die gezeigten New York-Ansichten von 1928/29 und heute, beispielsweise vom Times Square, der Brooklyn Bridge, dem Broadway und der Fifth Avenue eröffneten auch jenen Gästen ganz neue Einblicke und Perspektiven, die schon öfters in der Weltstadt zu Besuch gewesen waren. Markus Müller