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Kunst entdecken und bestaunen

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Dass sich Altes und Neues aufs Trefflichste ergänzen können, zeigt August Schmitt in seinem Werkstatt-Atelier in Fridolfing. (Foto: Huber)

Gleich neben der St.-Johann-Kirche im Fridolfinger Oberdorf liegt das reizvolle Anwesen des Künstlerpaars Gudrun Reubel und August Schmitt, das diese jeweils im Herbst an drei Wochenenden für das interessierte Publikum öffnen und zudem einen Künstlerfreund als Gastaussteller einladen. Heuer ist es der Bildhauer, Maler und Grafiker Ekkehard Wiegand, der im Garten Bronzegüsse und im Haus kleinere Skulpturen zeigt. Die Ausstellung ist noch am kommenden Samstag und Sonntag jeweils von 15 bis 19 Uhr geöffnet.


August Schmitt ist ein »Kunst-Handwerker« im besten Sinne. Er arbeitet vorwiegend mit Holz, seine Möbel, Objekte, Werkzeuge oder Gebrauchsgegenstände sind geprägt von schlichten und klaren Linien, der »Aha-Effekt« entsteht in der Kombination der Materialien, beispielsweise von Holz und Schiefer. Sein kreatives Talent lebt der Künstler jedoch dann aus, wenn er Fundstücke und scheinbar Wertloses mit Neuem kombiniert oder einer neuen Bestimmung zuführt.

Das Sammeln alter Stühle als Leidenschaft

Schmitts Leidenschaft ist etwa das Sammeln alter Stühle: Dann verwendet er eine alte Lehne mit Patina und fügt sie auf eine schlichte neue Holzbank – Kunstwerk und Möbelstück zugleich. Schmitt konnte aus seinem Fundus auch locker die Gaststube des renovierten, traditionsreichen Gasthauses »Unterwirt« in Fridolfing einrichten.

Beim Neubau des Ausstellungsraums einer örtlichen Schreinerei richtete er mit Arbeitsgeräten von anno dazumal ein kleines Schreinermuseum ein – ein besonderer Hingucker für Besucher. In seiner Künstlerwerkstatt zeigt Schmitt, dass sich alte Fenster in ein Vitrinenschränkchen verwandeln lassen oder dass ein altes Kofferradio, mit Schubladen versehen, einer neuen Bestimmung zugeführt werden kann.

Gleich nebenan befindet sich das Atelier von Gudrun Reubel, die vor allem durch ihre Radierungen und Prägedrucke bekannt ist. So erwarb die Bayerische Staatsgemäldesammlung anlässlich einer Ausstellung im Haus der Kunst in München Arbeiten der Fridolfinger Künstlerin. Viele ihrer Werke sind geprägt vom Hell-Dunkel-Kontrast, dem wesentlichen Gestaltungsmerkmal der grafischen Kunst, und reliefartigen Oberflächen.

Autor Matthias Oesterheld aus Wasserburg hat bei einer früheren Ausstellung Gudrun Reubels grafisches Werk als diszipliniert, streng und klar beschrieben. Ihre Arbeiten bewegten sich immer im Spannungsfeld der Gegensätze und forderten ein meditatives Sich-Einlassen des Betrachters. Er werde durch ihre Werke zum Staunen und Nachdenken angeregt, meinte Oesterheld. Gerade in der Radierung beweise Reubel höchste Könnerschaft und Präzision. Beachtlich sei, dass sie bei der beeindruckenden Vielfalt ihrer künstlerischen Ausdrucksformen dennoch eine unverwechselbare Handschrift besitze.

Der Betrachter muss vor Gudrun Reubels Bildern und Druckgrafiken länger verweilen, erst dann erschließt sich das Wechselspiel von Licht und Schatten oder die Verwendung von Zeichen und Formen, die im Laufe ihrer künstlerischen Tätigkeit immer reduzierter geworden sind.

Wie gemacht ist der Garten des Anwesens für die Bronze-Skulpturen des Bildhauers, Malers und Grafikers Ekkehard Wiegand, der in Gengham bei Palling lebt und arbeitet. Begrüßt werden die Besucher im Eingangsbereich freundlich von der »Dame mit Handtasche«. Einen besonderen Platz hat Wiegands »Entflammte« gefunden: Im Vorgarten stehen im Halbrund verkohlte Holzbalken, Überreste des Großbrands im örtlichen Sägewerk vor über einem Vierteljahrhundert.

Konzentration auf das Thema Mensch

In seinem bildhauerischen Schaffen konzentriert sich Wiegand vor allem auf das Thema Mensch mit der »Büste« als Leitmotiv. Ausgehend von der Kunst der klassischen Moderne wählt er nach eigenen Worten meist einen naturalistischen Ansatz. Er verfremdet seine Büsten, die oft große Dynamik ausstrahlen. »Die Kubische«, »Kesse Büste« oder »Herzdame« sind einige seiner Skulpturen, die in Fridolfing zu sehen sind. Kunstvoll und witzig zugleich sind zwei Aluguss-Skulpturen auf Edelstahl-Stehtischen, denen Wiegand die Namen »Vertrauter« und »Vertraute« gegeben hat. »Sie hören Ihnen zu und erzählen es nicht weiter«, meint der Künstler verschmitzt über diese alltagstauglichen Kunstwerke.

Im Haus sind noch eine Reihe kleinerer Skulpturen des Bildhauers zu sehen. Zusammen mit den Bildern, Möbeln und Objekten von Gudrun Reubel und August Schmitt gibt es für Freunde von Kunst und Kunsthandwerk jede Menge zu bestaunen und zu entdecken.

Möglich ist dies noch am kommenden Samstag und Sonntag, 13. und 14. Oktober, jeweils von 15 bis 19 Uhr im Anwesen St.-Johann-Straße 33 in Fridolfing. Wer keine Zeit hat, kann unter der Telefonnummer 08684/9198 auch einen anderen Termin vereinbaren. Agnes Huber