Lokalnachrichten

»Gromstätt first, Gromstätt first«

Grabenstätt – Ordentlich ausgeteilt, eingeschenkt und derbleckt wurde beim Starkbierfest durch die hiesigen Starkbierfesttreiber und Fastenprediger Hias Ballauf im Gasthof »zur Post« Taverna Oregano im »gallischen Dorf Grabenstätt«.

  • Gemeinderätin Christl Stefanutti (Andrea Fieber, von links), Anita Kohlbeck (Singspiel- und Liedschreiberin Manuela Keil), Bürgermeister Georg Schützinger (Jürgen Schuster), zweiter Bürgermeister Robert Muggenhamer (Hans Hudetz), »Cäsar« Rudi Aigner (Max Reichgruber), Andreas Lukas (Stefan Brandner) und Andreas Danzer (Maria Ullrich) beim Singspiel. (Foto: Müller)

Doch bevor es soweit war, musste erst einmal o'zapft und ausgeschenkt werden. Im Beisein von Singspielleiterin und Liedschreiberin Manuela Keil, deren Starkbierfesttreiber-Kollegin Silvia Schuster und Wirt Kosta Gkounelas, brauchte Bürgermeister Georg Schützinger nur zwei beherzte Schläge und schon lief der hochprozentige Gerstensaft in die Maßkrüge und in die durstigen Kehlen.

Die Bierspritzer waren rar gezählt und dennoch sollten sich einige Beteiligte kurz drauf nasse, klebrige Füße holen. Das noch gut gefüllte Bierfassl schlug nämlich beim Abtransport Leck und eine Bierflutwelle ergoss sich über die Bühne. Als auch noch der Damm zu den tiefer sitzenden Besuchern zu brechen drohte, schienen nur noch die Gebete von Pater Augustin und die Sandsäcke der Grabenstätter Feuerwehr weiteres Unheil verhindern zu können, doch dann kam wie durch ein Wunder Fluthelfer und Musikant Hans Hudetz: »Leit kommts auf, es gibt Freibier und meine Schuah brauch i mir jetzt a nimma putzen.«

Durchhaltevermögen eines iPhone-Akkus

Der Saal kochte und auch der Bürgermeister konnte sich vorerst wieder entspannt zurücklehnen. »Des hod se sogar bis zu mir auf Rottau auffe durchsprocha, dass Sie bei abendlichen Veranstaltungen a Durchhaltevermögen wia a iPhone-Akku ham – de erste Zeit voll im Saft, aber dann bricht de Leistung rapide ei«, scherzte Fastenprediger Hias Ballauf, um sogleich entschuldigend hinterherzuschieben: »Aber ois dienstältester Bürgermeister derfn Sie si a amoi gewisse Auszeitn nehma.«

Für den ebenfalls überall mitmischenden FW-Gemeinderat und jüngsten stellvertretenden Landrat Andreas Danzer gelte dies freilich noch nicht. »Wos is iatz genau des Aufgabenfeld von am dritten Landrat? Bist du der persönliche Fahrer vom Schützinger Schorsch, wenns ihr auf Traunstoa a de Kreistagssitzung außefahrts?!«, wollte Ballauf wissen. Solche Probleme habe Postler a.D., CSU-Gemeinderat und »Tdschordsch Gluuni« Rudi Aigner nicht. »Du bist ja ois Parteilose da SPD nahe, gell? Do muass i sogn, Respekt, aber jeder hod irgend a perverses Hobby«, wandte sich Ballauf an die umtriebige Gemeinderätin Anita Kohlbeck, die er liebevoll als »Mutter der Kompanie« bezeichnete, um ihr gleich darauf einen Wechsel zu den Grünen nahezulegen.

Eine neue politische Gruppierung müsse sich wohl auch FW-Gemeinderätin Doris Biller suchen, meinte der Fastenprediger und fragte zur Sicherheit nochmal nach: »San Sie iatz de Partei los oder is de Partei Sie los?« Gemeinderätin Christl Stefanutti gab er schmunzelnd mit auf den Weg: »Christl, lass hoid a moi de junga Bäuerinnen hi, de stehn scho seit Jahren ganz 'gampsig' in de Startlöcher, dass die Nachfolge vo dir o'trettn kinnan. A paar stehn scho so lang, dass scho gor nimma 'gampsig' san.«

Schanze am Kalsperg: Für Skiflug-WM bewerben?

Da einige Grabenstätter Bauern gerne mit erhöhter Geschwindigkeit durch den Ort fahren und dabei die Kirchenmauer verschmutzen, schlug Ballauf vor, dass die Gemeinderäte das Problem selbst in die Hand nehmen und aus »de Strah-Kistl mit der Laser-Pistoin blitzen« sollten. Damit der Michi Geisreiter auch endlich seinen Frieden habe, könne man sich ja mit der von ihm kritisierten, auch bei der Straßensanierung nicht abgetragenen Sprungschanze bei Karlsperg für die Austragung einer Skiflug-WM bewerben.

Mit »Gromstätt first, Gromstätt first«, machte der Fastenprediger abschließend in bester Trump-Manier Werbung für die Gemeinde und gab offen zu »Da bin i jetzt fast dahoam«. Zünftige Klänge verbreiteten die »Spitzbuam« und sorgten damit für beste Unterhaltung.

Für alle hart Rangenommenen, Weichgespülten und Unerwähnten galt: »Schwoam ma's obi«. Für alle Starkbierfreunde bleibt die Hoffnung, dass es bereits im nächsten Jahr wieder ein Starkbierfest in Grabenstätt gibt.

Im Singspiel ging's hoch her

»Mia san de Starkbierfest-, Starkbierfest-, Starkbierfesttreiber, uns konnst nix song, mia erzähln ois weida, mir san die NSA von dera Gmoa, mit der NSA seids ihr nia alloa«, stellten sich die Darsteller stimmgewaltig vor, um wenig später im Rahmen eines Workshops für kommunalen Nachwuchs in Grabenstätt in die Rolle ihres jeweiligen Gemeinderat-Idols zu schlüpfen. Bevor er sich aus terminlichen Gründen schlaftrunken aus der Sitzung verabschiedete und der zweite Bürgermeister Robert Muggenhamer (Hans Hudetz) endlich einmal Chef spielen durfte, probte Löwenbürgermeister Georg Schützinger (Jürgen Schuster) schon einmal für den nächsten Wahlkampf: »Ich bin so schön, ich bin so toll, ich komm aus Südtirol, meine gigaschlanken Wadln san a Wahsninn für die Madln, mei Figur, a Wunder der Natur«.

Auf der Tagesordnung stand der Verkauf der Geh- und Radwegunterführung, die Doris Biller (Daniela Schuster) als nicht genutzten »Staubfänger« bezeichnete. »Vielleicht is ja no a Garantie drauf, dann kannt ma's zrückgebn«, meinte Andreas Danzer (Maria Ullrich). »Unter Umständen könnten wir sie auch zwischen Kirche und Kloster integrieren, die Pater jammern schon lange, dass sie jedes Mal ins Schwitzen kommen, wenn sie in die Kirche wollen«, sagte Anita Kohlbeck (Manuela Keil).

Auch Bürger Klaus Mitterer habe bereits sein Interesse an der Unterführung für sein Anwesen in Pitzlloch bekundet, meinte der Rathauschef und verlas dessen Antrag: »I würds zwischen Parkplatz und meinem Lokal eigrom und dann war's glei aus mit da Spioniererei von de Freien Wähler und de nobligen Damen aus der Schdod dadn mit ihre spitzn Absätze nimma in Schafdreck einisteing.«

Angeregt wurde auch die Anschaffung eines Schützinger-Schlafkomfortstuhls. »Ergomanisch geformt mit Genickstärker, integrierter Kopf- und Bauchstütze, blickdichten Seitenklappen, automatischem Aufrechthalter und gegen Aufpreis eine Currywurst-Warmhalteplatte«, beschrieb ihn Andreas Lukas (Stefan Brandner).

Auch der Vorschlag von drittem Bürgermeister Maximilian Wimmer, die Landesgartenschau nach Grabenstätt zu holen, kam gut an, nur Kohlbeck brachte Bedenken wegen der Kosten an, bis ihr Kollege Bauunternehmer Alois Binder (Silvia Schuster) eine 4,5-Millionen-Spende in Aussicht stellte.

Vielleicht bleibt noch ein bisschen Geld für ein neues Backbuch für Christl Stefanutti (Andrea Fieber) übrig, denn »seit vier Wocha gibt's oiwei bloß Sandkuacha«, beschwerten sich Danzer und »Cäsar« Rudi Aigner (Max Reichgruber). Anstatt zu viel Süßes zu naschen, sollten die Räte die Zeit bis Ostern nutzen, die lästigen, aber sicherlich nährreichen Grabenstätter Biber zu verspeisen – mit etwas Glück gelten diese im Vatikan immer noch als Fisch. mmü

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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